Kirchenkritik unerwünscht

Kommentar /Replik zu dem Artikel Rudolf Taschner  „Quergeschrieben“ vom 1.12. 2016 in der „Presse“

Diese Replik wurde wenige Tage nach Taschners Artikel eingesandt. Eine Veröffentlichung wurde in Aussicht gestellt. Offenbar war der Artikel aber einigen doch nicht recht. 

Taschner hat Niko Alm und mich als „Schattenboxer“ bezeichnet, deren  „kirchenfeindliche Appelle“…„bestenfalls Clownerien“ sind.

Wenn Kritik geübt wird, sind alle Apologeten zunächst einmal beleidigt. („Kirchenfeindliche Appelle!“) Unsere Religionskritik bezieht sich aber auf klar nachvollziehbare Argumentationen, wie z.B. zum Ethikunterricht.  Kinder sollen genauso wenig Religionsunterricht erhalten, wie sie keinen ÖVP- oder keinen SPÖ-Unterricht erhalten, sondern Unterricht in „Politische Bildung“. Rationale Argumente sollten überall gelten. Genau das fehlt in Österreich. Und jetzt haben wir noch einen Mathematiker gebraucht, der, statt Rationalität zu verordnen, Religionskritik lächerlich macht. Zum „Schattenboxer“ wird man eher, wenn man feuilletonistische Effekthascherei wissenschaftlicher Redlichkeit vorzieht. Die von Taschner gnädig verteidigte Aufklärung begann mit Leuten, die für andere Verräter, Apostaten oder Clowns waren, jedenfalls nicht mit konservativen, angepassten Mathematiklehrern. Jeder Fortschritt begann mit Häresie.

Wie wichtig Religionskritik ist, erfahren wir erst jetzt wieder, da die Gefahren des Islam schlagend und oft von Apologeten weichgespült werden. Religionskritiker kommen kaum zu Wort. Dabei ist gerade bei der Religion Skepsis angebracht, angesichts der Geschichte und der religiös dominierten Länder dieser Welt. Das Ergebnis ist ein Monopol oft unsachlicher Islam-Kritik im menschenfeindlichen FPÖ-Reservat.

Auch wenn man es noch hundertmal behauptet – es wird nicht wahrer, dass die „Aufklärung aus der christlichen Tradition zu schöpfen vermochte“. Eine glatte Geschichtsklitterung! Da wurde gar nichts geschöpft, sondern höchstens geköpft. Die Aufklärung ist gegen den erbitterten Widerstand der Kirche durchgesetzt worden, dafür gibt es hunderte Beweise, u.a. den „Antimodernisten-Eid“, den beide heute noch lebenden Päpste vermutlich geschworen haben. Die gefühlte Wahrheit ist abhängig vom Mediengewicht, d.i. etwa 1000:1 zugunsten der Kirche. Für Kirchenkritiker ist in Absurdistan und im ORF die Religionsabteilung verantwortlich. Die Kirchenzeitung ist heute überall. Einzig der „Presse“ muss man Pluralismus attestieren. Clownesk ist höchstens ein Boulevard mit Predigten, Society-Dompfarrern und Wissenschaftlern, die erzreaktionäre, brachial-katholische Autoren wie M. Matussek als Geschenk empfehlen.

Niavarani in einem Interview: „Europa ist nicht den christlichen Werten verpflichtet, sondern der Aufklärung.“ Was fehlt, ist das Bekenntnis zu Humanismus und Aufklärung. Was fehlt, sind mehr Niavaranis. Die Kluft zwischen den realen Einstellungen der Bürger (>50% Nichtreligiöse) und den politischen und medialen Gegebenheiten wird immer größer. So bleibt das Land statisch denkend, reformunfähig, rückwärtsgewandt, naturwissenschaftsfeindlich (vorletzter Platz in Europa), gesellschaftlich unterentwickelt (Sterbedebatte), autoritätshörig buckelnd und finanziell ausgebeutet durch Milliardensubventionen jedes Jahr für die Kirche.

Erst gestern hat der Jugendforscher Heinzlmaier in Ö1 bekräftigt, dass er es unverantwortlich findet, Kinder religiösen Neurotikern auszuliefern. Religiöse Traditionen sind fein, nicht aber religiöse Fundamente, die uns die Zukunft verbauen, wie z.B. die Verhinderung des Ethikunterrichts für alle.

Gerhard Engelmayer

Freidenker feiern Tag der Menschenrechte

Erklärung des Freidenkerbundes zum Tag der Menschenrechte:

Die Menschenrechte wurden vor rund 200 Jahren von Freidenkern entwickelt (u.a. La Fayette, Jefferson, Paine und Kant) und von den Vereinten Nationen 1948 im Artikel 217A festgelegt. Für uns Freidenker sollte dieser Tag  der höchste Feiertag des Jahres sein. Während viele der religiösen Feste völlig an Bedeutung verlieren, ja nicht einmal gewusst wird, was an diesem Tag gefeiert wird, sollte der Menschrechts-Tag gefeiert werden wie kein anderer. Die Menschenrechte sind nach unserer Meinung die größte gesellschaftliche Errungenschaft der Menschheit überhaupt. Europa sollte auf seine Entwicklung stolz sein und versuchen,  diesen Beitrag weiter zu entwickeln und in alle Welt zu exportieren.

Es müssten alle gesellschaftlichen Kräfte daran arbeiten, diesen Tag entsprechend zu würdigen, Feiern abzuhalten und den Kindern die Bedeutung der Menschenrechte näher zu bringen.

Die Grenzen der Religionsfreiheit

Gastkommentar in „Die Presse“ erschienen am 6.8.2016

von Gerhard Engelmayer

Die Religionsfreiheit wird auch seitens der Kirche als wichtig empfunden, obwohl von der Aufklärung gegen den Widerstand der Kirche durchgesetzt. In der Tat ist Religionsfreiheit für die moderne Welt eine der Stützen für ein friedliches Zusammenleben, vor allem in einer globalisierten Welt, in der es viele Religionen gibt, die alle behaupten, die Wahrheit zu vertreten. Die großen Kirchen haben sich damit arrangiert und halten Seminare ab, wie man zu einem friedlichen Zusammenleben mit anderen Religionen kommt, meist unter dem Titel „Dialog mit ….“.

Dass es Menschen gibt, die solche Seminare gar nicht brauchen, liegt daran, dass sich diese Menschen  heraushalten und anderen keine Vorschriften machen wollen, was sie zu denken und zu tun haben. In Anlehnung an Farkas könnte man formulieren, dass die Religion uns von den Problemen befreit, die wir ohne sie gar nicht gehabt hätten. Diese Menschen schwören auf Religion im stillen Kämmerlein oder überhaupt auf Religionsabstinenz.  Aber sie schwören auch wie einst Voltaire darauf, dass sie ihr Leben dafür geben wollen, dass der andere seine Meinung sagen kann, auch wenn sie diese für falsch oder vielleicht sogar für kompletten Stuss halten.

Freiheit von Religion

Dafür ist wichtig, dass es nicht bloß Freiheit für Religion gibt, sondern auch Freiheit von Religion. Viele Religionen tun sich damit schwer und wollen – auf gut österreichisch – das Semmerl und das Weckerl. Man kann nicht die Freiheit der Religion in Anspruch nehmen und die Freiheit von Religion verweigern. Auch bei größter Toleranz muss man der Religion Grenzen ziehen, vor allem dann, wenn Menschen aus einem Land kommen, in dem mir als Atheisten der Tod drohte. In den meisten Ländern haben Atheisten noch mit großen Nachteilen im Berufsleben zu rechnen.  Ein Mormone, der an die Offenbarung eines Joseph Smith auf zwei vergrabenen Goldplatten glaubt, wonach die Ureinwohner Amerikas aus Palästina stammen, kann jederzeit Präsident werden, nicht aber ein Atheist.

Einwanderer müssen nicht die gleiche Kultur haben und Paralellgesellschaften gibt es eine ganze Menge. Aber sie müssen die gleichen Werte vertreten, die unsere Gesellschaft zusammenhält, dazu gehören die Religionsfreiheit mit der Freiheit von Religion. Egal, ob blau, grün, rot oder schwarz: Menschen, die andere verachten, weil sie ungläubig sind, disqualifizieren sich selbst für das Leben in Österreich, schon allein deshalb, weil sich nach einer Umfrage 53% als Ungläubige sehen (Gallup Int´l. 2012).

Religionsfreiheit klingt gut in den Ohren von Gläubigen, heißt aber natürlich nicht, dass sie tun können, was sie wollen oder was dem Religionsgründer an Abstrusitäten einfiel, wie Polygamie, Verletzung von Kindern, Zwangsehen und „Rachsucht gegen Nichtgläubige“, wie eine Schweizer Pastorin im SFR zum Erstaunen der Moderatorin ausführte. Religion wird leicht zum Freibrief für Attacken gegen andere, die die Religion nicht teilen, bis hin zu Mord und Terror unserer Tage, weil scheinbar von Gott gebilligt oder sogar beauftragt.

Was uns wirklich heilig sein sollte, ist die Religionsfreiheit und nicht die Religion. Denn diese tendiert immer dazu, sich und ihren Gott wichtiger zu nehmen als die Rechte eines Bürgers. Es wäre Zeit, nicht Gott, sondern die Säkularität in der Verfassung zu verankern.

Offener Brief an die Doyenne des österreichischen Journalismus Dr. Anneliese Rohrer

Sehr geehrte Fr. Rohrer,

Ich bewundere die Hartnäckigkeit mit der Sie in Österreich fundierte Kritik an allem und jedem üben, jetzt (in der Presse) sogar  an der Formulierung von ärztlichen Bulletins, was die Breite Ihres Kritikfeldes beschreibt.

Bitte korrigieren Sie mich, aber ich habe noch nie eine Kritik von Ihnen gelesen zum schlimmsten Missstand, den es in Österreich zu kritisieren gibt, nämlich die katholische Sozialisation, die uns den Boden für die meisten Missstände bereitet und die uns jedes Jahr Milliarden kostet. Offenbar haben Sie wie die meisten Österreicher  jene Brille auf, die einfach alles ausfiltert, was da an Bigotterie, Doppelzüngigkeit, Realitätsferne und Unterwürfigkeit täglich den Sinn für die Welt trübt und Rückschrittlichkeit und Reformunfähigkeit nach sich zieht. Die Welt ist in Caritas-„Schwarz-Weiß“ eingefärbt und da ist die Kirche einfach blendend weiß, sie „tut ja so viel Gutes“. Dass unsere Kinder nach wie vor in 600 Stunden Religionsunterricht den unzeitgemäßen Schmarren in die Hirne gebürstet bekommen, statt zeitgemäßes eigenständiges und kritisches Denken zu lernen, das regt nicht einmal einen so kritischen Geist wie Sie auf. Wieso?

Dass in fast allen Zeitungen Bischöfe oder  Domherren einen nichtssagenden Senf ablegen können, so dass die Kirche auf einen ungeheuren share-of-voice kommt, stört auch niemanden. Mich auch nicht, solange man die Duftmarken auch entsprechend kritisiert und mit Hausverstand beurteilt. De facto ist aber alles Kirchliche von jeder Kritik ausgenommen, außer es handelt sich um schwere Verbrechen und selbst da dauert es oft ein Jahrzehnt, bis die Kirche zaghaft irgendetwas zugibt. Mehr noch, wenn die rote Lampe mit der Aufschrift  „Kirche“ an ist, schaltet das alle Hirne so automatisch aus, wie die Lampe „Aufnahme“ die Leute zum Schweigen bringt. Dazu sagte Salman Rushdie: „Im dem Moment, in dem man einen Satz von Ideen für immun erklärt und der Kritik, der Satire, dem Spott und der Geringschätzung entzieht, wird das freie Denken unmöglich!“

Die Kirche, die im Mittelalter, als sie das Sagen hatte, Not, Elend, Unbildung, Rechtlosigkeit  und Krieg hervorgebracht hat, wird heute noch mit Steuergeld unterstützt, aus Gründen, die z.T. bis auf Josef II. zurückgehen. Die noch rückständigeren Religionen, die noch weiter vom demokratischen Bogen entfernt sind, müssen dadurch ebenso gefördert werden, obwohl dadurch das unselige System weiter perpetuiert statt abgeschafft wird. Noch verzwickter wird die Lage, wenn nun den Muslimen statt Säkularität „unsere“ Religion entgegengesetzt wird, wie es weiland Strache in der Brigittenau  tat, unsere Religion, an die im Innersten kein Mensch mehr glaubt, außer vielleicht Herr Stadler, und von der keiner eine Ahnung mehr hat, wodurch die wenigen Säkularen unter den Immigranten auch noch in die Religion hineingetrieben werden. Wir „produzieren“ also die Muslime teilweise selbst durch die Rechten und durch unser Kultusamt (über die automatische Zuordnung zum Islam und zur fundamentalistischen IGGiÖ).

In der Öffentlichkeit wird die Kirche immer als positiver Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung gehandelt.  Bei genauer Betrachtung ist das diametrale Gegenteil der Fall. Was wir jetzt brauchen in Europa gegen die Entwicklung der Rechtspopulisten, sind junge Menschen mit selbstständigem Denken, kritisch, selbstbewusst, kreativ und kooperativ. Was bei religiöser Erziehung herauskommt, ist Reibsand für eine moderne Gesellschaft. Sie fördert Fremdbestimmung, statisches Denken, ein vertikales Gesellschaftsbild, Stammesdenken und Wahrheitsbesitz, am katastrophalsten ist aber die der Religion innewohnende Bildungsfeindlichkeit. (z.B. boko haram=Schule ist schlecht).

Am schlimmsten aber ist die Verharmlosungskampagne, die allerorts geritten wird. Die Religion als Mittel gegen Fundamentalismus einzusetzen, hieße den Bock zum Gärtner zu machen.  Wie soll man die religiösen Gedanken in ihrer Intensität kontrollieren, wenn sie einmal ins Hirn gepflanzt sind? Religion hat immer nur sich selbst im Sinn und nicht die Gesellschaft und ihr Wohlergehen. Das liegt auf der Hand, der Beleg ist einfach: die Kirche ist unfassbar reich, die Kommunen sind bettelarm.

Wenn jemand das Zeug dazu hätte, das System kritisch zu durchschauen und ungefiltert die Lage zu beurteilen, dann sind Sie das. Ich schätze Sie haben auch den Mut dazu. Die meisten Journalisten sind zwar politisch unabhängig, aber nicht unabhängig von der Kirche, sie sitzt in der einen oder anderen Form in fast jeder Zeitung und wenn nicht, dann im Hinterkopf, die Leute haben einfach  Angst vor ihr. Wie sagt man doch so schön in Wien?  „Nur net anstreifen an die Kirche!“

Das hat zur Folge, dass Humanisten in der Öffentlichkeit praktisch nie zu Wort kommen und dass bestenfalls einmal ein dünner Leserbrief erscheint, während  im Moment gerade im Fernsehen die stundenlange Übertragung der Heiligsprechung einer sadistischen Egomanin läuft, die zu ihren Patienten gesagt hat, dass „euer Leiden euer Gebet zu Gott ist!“ Das ist alles bekannt, aber verhallt am Lärmpegel der Kirchen.

Nicht, dass die Menschen das nicht kapieren, nein, in Österreich sind mehr als die Hälfte (exakt 53% ) unreligiös oder atheistische eingestellt, trotz der medialen Behämmerung. Bei der Kirche sind noch 59% der Bevölkerung, aber nur rund 10% praktizieren den Glauben. Der Rest sind Taufscheinchristen. Der „Markt“ ist also da, aber es kommt zu keiner Öffentlichkeit für den Humanismus. Die Prägung durch die katholische Kirche ist noch so stark, dass es zumindest dazu reicht, dass „alle die Hände falten und die Gosch´n halten“.  Es würde einige bekannte und mutige Leute brauchen, die auch anderen Mut machen, sich für eine Anpassung der Strukturen einzusetzen.

Wenn Sie, wie ich, schon mehrere atheistisch-humanistische Großveranstaltungen gemacht haben und im ORF angerufen haben, ob sie etwas darüber bringen wollen, dann wird Ihnen gesagt, dass für Sie die Religionsabteilung zuständig ist, offenbar handelt es sich um eine Außenstelle von Kakanien. Wenn Sie diesen Schenkelklopfer in Gesellschaft erzählen, zucken die Leute mit den Achseln: „Ja, das Absurde gehört eben zu Österreich!“  Diese Kultur verdummt uns systematisch.

Wir brauchen daher Verbündete in der Presse und in der Meinungsbildung generell. Sind Sie eine?

Wenn ja, dann würde ich Ihnen gerne mehr Schreibenswertes nahebringen.

Schöne Grüße und
„ich achte Sie!“ (humanistischer Gruß)

Gerhard Engelmayer

Offener Brief an die Doyenne des Journalismus Dr. Anneliese Rohrer

Sehr geehrte Fr. Dr. Rohrer,

Ich bewundere die Hartnäckigkeit mit der Sie in Österreich fundierte Kritik an allem und jedem üben, jetzt (in der Presse) sogar  an der Formulierung von ärztlichen Bulletins, was die Breite Ihres Kritikfeldes beschreibt.

https://www.parlament.gv.at/SERV/FOTO/VER/565791/3987824_500.jpg Dr. Anneliese Rohrer

Bitte korrigieren Sie mich, aber ich habe noch nie eine Kritik von Ihnen gelesen zum schlimmsten Missstand, den es in Österreich zu kritisieren gibt, nämlich die katholische Sozialisation, die uns den Boden für die meisten Missstände bereitet und die uns jedes Jahr Milliarden kostet. Offenbar haben Sie wie die meisten Österreicher  jene Brille auf, die einfach alles ausfiltert, was da an Bigotterie, Doppelzüngigkeit, Realitätsferne und Unterwürfigkeit täglich den Sinn für die Welt trübt und Rückschrittlichkeit und Reformunfähigkeit nach sich zieht. Die Welt ist in Caritas-„Schwarz-Weiß“ eingefärbt und da ist die Kirche einfach blendend weiß, sie „tut ja so viel Gutes“. Dass unsere Kinder nach wie vor in 600 Stunden Religionsunterricht den unzeitgemäßen Schmarren in die Hirne gebürstet bekommen, statt zeitgemäßes eigenständiges und kritisches Denken zu lernen, das regt nicht einmal einen so kritischen Geist wie Sie auf. Wieso?

Dass in fast allen Zeitungen Bischöfe oder  Domherren einen nichtssagenden Senf ablegen können, so dass die Kirche auf einen ungeheuren share-of-voice kommt, stört auch niemanden. Mich auch nicht, solange man die Duftmarken auch entsprechend kritisiert und mit Hausverstand beurteilt. De facto ist aber alles Kirchliche von jeder Kritik ausgenommen, außer es handelt sich um schwere Verbrechen und selbst da dauert es oft ein Jahrzehnt, bis die Kirche zaghaft irgendetwas zugibt. Mehr noch, wenn die rote Lampe mit der Aufschrift  „Kirche“ an ist, schaltet das alle Hirne so automatisch aus, wie die Lampe „Aufnahme“ die Leute zum Schweigen bringt. Dazu sagte Salman Rushdie: „Im dem Moment, in dem man einen Satz von Ideen für immun erklärt und der Kritik, der Satire, dem Spott und der Geringschätzung entzieht, wird das freie Denken unmöglich!“

Die Kirche, die im Mittelalter, als sie das Sagen hatte, Not, Elend, Unbildung, Rechtlosigkeit  und Krieg hervorgebracht hat, wird heute noch mit Steuergeld unterstützt, aus Gründen, die z.T. bis auf Josef II. zurückgehen. Die noch rückständigeren Religionen, die noch weiter vom demokratischen Bogen entfernt sind, müssen dadurch ebenso gefördert werden, obwohl dadurch das unselige System weiter perpetuiert statt abgeschafft wird. Noch verzwickter wird die Lage, wenn nun den Muslimen statt Säkularität „unsere“ Religion entgegengesetzt wird, wie es weiland Strache in der Brigittenau  tat, unsere Religion, an die im Innersten kein Mensch mehr glaubt, außer vielleicht Herr Stadler, und von der keiner eine Ahnung mehr hat, wodurch die wenigen Säkularen unter den Immigranten auch noch in die Religion hineingetrieben werden. Wir „produzieren“ also die Muslime teilweise selbst durch die Rechten und durch unser Kultusamt (über die automatische Zuordnung zum Islam und zur fundamentalistischen IGGiÖ).

In der Öffentlichkeit wird die Kirche immer als positiver Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung gehandelt.  Bei genauer Betrachtung ist das diametrale Gegenteil der Fall. Was wir jetzt brauchen in Europa gegen die Entwicklung der Rechtspopulisten, sind junge Menschen mit selbstständigem Denken, kritisch, selbstbewusst, kreativ und kooperativ. Was bei religiöser Erziehung herauskommt, ist Reibsand für eine moderne Gesellschaft. Sie fördert Fremdbestimmung, statisches Denken, ein vertikales Gesellschaftsbild, Stammesdenken und Wahrheitsbesitz, am katastrophalsten ist aber die der Religion innewohnende Bildungsfeindlichkeit. (z.B. boko haram=Schule ist schlecht).

Am schlimmsten aber ist die Verharmlosungskampagne, die allerorts geritten wird. Die Religion als Mittel gegen Fundamentalismus einzusetzen, hieße den Bock zum Gärtner zu machen.  Wie soll man die religiösen Gedanken in ihrer Intensität kontrollieren, wenn sie einmal ins Hirn gepflanzt sind? Religion hat immer nur sich selbst im Sinn und nicht die Gesellschaft und ihr Wohlergehen. Das liegt auf der Hand, der Beleg ist einfach: die Kirche ist unfassbar reich, die Kommunen sind bettelarm.

Wenn jemand das Zeug dazu hätte, das System kritisch zu durchschauen und ungefiltert die Lage zu beurteilen, dann sind Sie das. Ich schätze Sie haben auch den Mut dazu. Die meisten Journalisten sind zwar politisch unabhängig, aber nicht unabhängig von der Kirche, sie sitzt in der einen oder anderen Form in fast jeder Zeitung und wenn nicht, dann im Hinterkopf, die Leute haben einfach  Angst vor ihr. Wie sagt man doch so schön in Wien?  „Nur net anstreifen an die Kirche!“

Das hat zur Folge, dass Humanisten in der Öffentlichkeit praktisch nie zu Wort kommen und dass bestenfalls einmal ein dünner Leserbrief erscheint, während  im Moment gerade im Fernsehen die stundenlange Übertragung der Heiligsprechung einer sadistischen Egomanin läuft, die zu ihren Patienten gesagt hat, dass „euer Leiden euer Gebet zu Gott ist!“ Das ist alles bekannt, aber verhallt am Lärmpegel der Kirchen.

Nicht, dass die Menschen das nicht kapieren, nein, in Österreich sind mehr als die Hälfte (exakt 53% ) unreligiös oder atheistische eingestellt, trotz der medialen Behämmerung. Bei der Kirche sind noch 59% der Bevölkerung, aber nur rund 10% praktizieren den Glauben. Der Rest sind Taufscheinchristen. Der „Markt“ ist also da, aber es kommt zu keiner Öffentlichkeit für den Humanismus. Die Prägung durch die katholische Kirche ist noch so stark, dass es zumindest dazu reicht, dass „alle die Hände falten und die Gosch´n halten“.  Es würde einige bekannte und mutige Leute brauchen, die auch anderen Mut machen, sich für eine Anpassung der Strukturen einzusetzen.

Wenn Sie, wie ich, schon mehrere atheistisch-humanistische Großveranstaltungen gemacht haben und im ORF angerufen haben, ob sie etwas darüber bringen wollen, dann wird Ihnen gesagt, dass für Sie die Religionsabteilung zuständig ist, offenbar handelt es sich um eine Außenstelle von Kakanien. Wenn Sie diesen Schenkelklopfer in Gesellschaft erzählen, zucken die Leute mit den Achseln: „Ja, das Absurde gehört eben zu Österreich!“ Diese Kultur verdummt uns systematisch.

Wir brauchen daher Verbündete in der Presse und in der Meinungsbildung generell. Sind Sie eine?

Wenn ja, dann würde ich Ihnen gerne mehr Schreibenswertes nahebringen.

Schöne Grüße und
„ich achte Sie!“ (humanistischer Gruß)

Gerhard Engelmayer

Vom Wert der Säkularität

Aslans Gastkommentar von Ednan Aslan  v. 7.7. 2016 in der „Presse“ mit dem Titel  „Wer nicht mit dem Gesetz Gottes regiert . . .“ ist eine Sternstunde abendländischer Religionsgeschichte. Er führt die Muslime direkt in die Arme aufgeklärter Gemeinschaften. Und zwar auf dem Weg auf dem sich alle Religionen der Welt weiterentwickelt haben: Durch Neuinterpretation der Offenbarung.
Schon richtig, dass Religionen damit einen Mimikry-artigen Versuch unternehmen, auf Basis der gegebenen Realitäten die geistigen Errungenschaften für sich zu vereinnahmen. Das werden ihnen Humanisten anzulasten versuchen und ihnen ein falsches Spiel unterstellen. So geschehen im Christentum, als Apologeten Geschichtsklitterung betrieben, indem sie behaupteten, die Aufklärung wäre ja auch eine Errungenschaft des Christentums gewesen. In Wahrheit wurde sie gegen den erbitterten Widerstand der Kirche und mit größten Opfern, auch Todesopfern, durchgesetzt. Ein zweites Beispiel ist die Umweltverschmutzung, die vor rund einem Jahrzehnt eine Erfindung der Kirche wurde, unter dem Titel „Bewahrung der Schöpfung“. Bis dahin haben wir uns bibelgemäß „die Erde untertan gemacht“.

Dieser Prioritätsschwindel tut weh. Aber Religionsgemeinschaften haben nicht den gesellschaftlichen Auftrag, Wahrheiten zu suchen, sondern nur theologisch vereinbarte zu verbreiten. Die Genese der Wahrheiten interessiert Gläubige nicht. Wichtig ist, dass es Leute wie Johannes XXIII., Papst Franciscus oder eben Ednan Aslan gibt, die gesellschaftliche und wissenschaftliche Realitäten anerkennen wie demokratische Ordnung, Gleichstellung der Frau und Ächtung des Antisemitismus.  Friedrich Heer betonte, dass der Antisemitismus „von Theologen von oben in die Bevölkerung einsickerte“ und nicht aus dem Bedürfnis des Volkes heraus entstand. Ebenso ist es auch die Verantwortung der Kleriker diesen Irrweg abzustellen.

Kleriker schieben die Verantwortung auf Gott, wenn es ihnen ins Konzept passt. Dann heißt es, dass heilige Schriften unabänderlich seien. Das mag sein, aber Gott tritt uns in der Schrift in vielerlei Gestalt entgegen. Es ist Sache der Theologen die zeitgemäße Substantiation herauszufiltern und eine entsprechende Exegese daraus zu formen.

Das hat Aslan versucht, meines Erachtens in bravouröser Weise. Ein solcher Islam, nämlich ein apolitischer, ohne levantinische Hypotheken, wäre in ganz Europa vonnöten und würde die Problematik der Einwanderung und der Integration von „unlösbar“ auf „menschlich lösbar“ stellen.

Anstatt jedoch diesem Mann den Weg zu ebnen, ist er seitens der Orthodoxen Anfeindungen ausgesetzt. Leider ist der alleinige Ansprechpartner der Regierung die IGGIÖ, in der sich Orthodoxe, Muslimbrüder und Türkeiabhängige tummeln, die Aslan bekämpfen, wo es nur geht.

Die traditionelle Exegese lässt an Andersgläubigen und Atheisten kein gutes Haar. Unglaube ist die schlimmste Sünde. Eine pluralistische Gesellschaft braucht genau das Gegenteil. Deswegen ist eine funktionierende Gesellschaft, in der sich Menschen frei entfalten können, von Säkularität, also der politischen Entmachtung, nicht aber von der Bekämpfung der Religion abhängig. Es zeigt sich auf der ganzen Welt, dass von allen Politikern auf der Welt, Gott der schlechteste und kriegswütigste ist. (G.W. Bush an Beginn des Irak Feldzugs: „Gott will es!“). Alle erfolgreichen Staaten der Erde haben  Gott aus der Politik herausgehalten und ihr Erfolg ist sogar davon abhängig, in welchem Maße sie das gemacht haben.

Bischof Ägidius Zsifkovics definiert Gottlose als Terroristen! Aber er liebt dich!

Skandal der Sonderklasse:

Wie schon der Papst und der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen und viele andere hat der Bischof Ägidius Zsifkovics in skandalöser Weise alle Gottlosen als Verbrecher grundlos und pauschal beschimpft. In einem Bezirksblatt äußerte sich der Bischof, dass „Unsere Gedanken und Gebete den Opfern gelten, ihren Familien und Angehörigen“, so Zsifkovics, der diesen Terror als „Gipfel der Menschenverachtung und Gottlosigkeit“ bezeichnet. Gottlosigkeit ist für diesen Mann offenbar die unmittelbare Voraussetzung für solche Taten. Sein nachgesetzter Appell klingt echt, echt wie eine Verlautbarung aus dem Amt für Nächstenliebe: „Setzen wir dem umso entschiedener die eigentliche Macht, die Macht der Liebe entgegen.“
http://bit.ly/29YWbd3
10895261_web
Diese gedankenlose Äußerung ist in einer Welt, in der 53% nicht mehr an Gott glauben (Gallup Intl., Zahlen für Österreich 2012) nicht kommentarlos zu übergehen. Wir fordern den Herrn Bischof auf, diese seine Äußerung zurückzunehmen!
Gedankenlos erweist sich dieser Satz, weil er sich damit mit den Menschen auf eine Stufe stellt, die in Ungläubigen und Gottlosen pauschal schlechte Menschen und Hassobjekte sehen und aus deren Reservoir immer wieder Menschen radikalisiert werden können. Genau das hat auch die bekannte Nah-Ost-Expertin Karin Kneissl in der Presse von heute (16.Juli) zum Ausdruck gebracht in einem Artikel mit dem Titel: „Es beginnt immer mit der Verachtung der anderen“. 

Der gängige Religionsunterricht ist moralisch bedenklich

Religionspädagogik verkauft Kindern Dinge als Tatsachen , die keine Tatsachen sind. Die Pädagogen sind nicht ihrem Gewissen und der Wahrheit, sondern der Kirche verpflichtet. Das ist nicht ein Problem der Pädagogen, die oft sogar unter den Bedingungen leiden, sondern ein Problem der vollkommen überholten Regelungen.
Vielmehr gehört ein Religionen- und Ethikunterricht eingerichtet, der den Kindern Wissen über Religion vermittelt, nicht Religion selbst vermittelt. Das ist Mission von Wehrlosen, wieder im höchsten Maße amoralisch.
Mich hat schon in der Schule angekotzt, dass jeder in Religion einen Einser gekriegt hat, was in meinen Augen ein widerliches Einschleimen war und den Notenspiegel verzerrt hat.