Der eigentliche Kirchen Skandal

Das Interview von Carsten wird vom Zuseher anders gesehen, als wir das gerne hätten. Viele fragen sich, was ist so schlimm dran, dass die so reich sind? Passt wenigsten jemand auf unsere Kulturgüter auf.
Das versteht man vor dem Hintergrund unserer katholischen Sozialisation nicht und stellt keinen Skandal dar.
(Das ist jetzt nicht Carstens Fehler.)

Auf die Frage, ob das bei uns auch möglich ist, müsste man m.E. klarstellen, dass
– TvE in A nicht möglich wäre, da alle Bischöfe in Österreich, anders als TvE noch in ihrer Umgebung wie im 18. Jh. sind, das sind durch die Bank Palais´ und Paläste.
– Da fällt es gar nicht auf wenn 30 Mio verbaut werden oder es wird als Kulturgut angesehen
– Wenn verbaut wird, wird gleichzeitig meist ein Alibi mitverbaut: Schulungszentrum, Seminarhaus, Tagungsraum etc.
Wenn man will, kann man die Situation des Kardinals als „Dominkaner-Bettelmönch“ so und so sehen:
– als Leben in einem prunkvollen Palais mit 17 Fensterfronten über 2 Stockwerke mit aufgesetztem Penthouse an Nobel-Adresse, wobei er die kleine Wohnung im hinteren, neuen Teil 1x mal im Jahr beim Presseempfang als Bettelmönch-Wohnung herzeigt, ähnlich wie das Eisenbett von Kaiser Franz-Josef in Schönbrunn, sonst aber in den weitläufigen Räumen des EBP wohnt und arbeitet oder
– als tadellose Lösung im Sinne einer sparsamen Verwaltung einer Kirche ansehen, die natürlich etwas Repräsentation braucht.

Beides ist möglich.
Aber eines ist sicher: Wir werden es nie wissen, denn die Transparenz fehlt.
Was unsere Vorfahren über Jahrhunderte an die Kirche gespendet haben, ist in irgendeiner Weise gehortet worden. Es sind mittlerweile Hunderte Millionen. Es wird unter dem Titel „Notgroschen“ immer weiter bis an den jüngsten Tag gehortet. Durch die mangelnde Transparenz, kann immer weiter gehortet werden und gleichzeitig immer weiter der Nimbus der armen „geldbedürftigen“ Kirche zur weiteren Geldbeschaffung aufrechterhalten werden. (Alle drei Monate ist ein anderes Bauwerk dran zur Schnorr-Kampagne in Radio Niederösterreich. Derzeit ist das Karmel-Kloster in Mayerling dran).
Das ist der eigentliche Skandal.
Die Kirche sollte transparent sein und
– als Körperschaft des öffentlichen Rechts genauso transparent gemacht werden wie andere KÖR
– und alle Lobbyistentätigkeiten öffentlich machen.

Advertisements

Was sagt uns Österreichern Limburg?

„Teprotz-van Elst“, wie er neuerdings genannt wird, wäre in Österreich nicht einmal aufgefallen. In unserer katholischen Sozialisation ist es ganz normal, dass Bischöfe in Palais wohnen und Luxuskarossen fahren. Wenn ein Kardinal sich dann noch als „Bettelmönch“ bezeichnet, reizt das hierzulande niemanden zu Sarkasmus. Vorsorglich ist in dem erzbischöflichen Palais eine schlichte, karg möblierte Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung für die Journalisten zur Verfügung, die als „Insignie“ des Bettelmönches jedes Jahr beim Presseempfang hergezeigt wird. 

Derzeit ist gerade wieder eine Kampagne für die Restaurierung eines Klosters auf Radio NÖ im Gange. Jede Stunde muss sich der Hörer mit den finanziellen Nöten der Kirche anhören. Danach kommen die Nachrichten mit Neuigkeiten aus Limburg.

Das kirchliche Finanz-Prinzip: Wir haben kein Geld – die anderen müssen ran! Wenn es einmal irgendwo viel  Geld gibt – dann ist das nur recht und billig für die „arme“ Kirche!

Wenn eine Diözese Pleite geht, dann trifft das die Gläubiger und damit meist die Gläubigen. Aber Einnahmen gehen in den Kirchenbesitz und nach Rom. Das ist das Prinzip Einbahnstraße Kirche, aus der man ja auch nicht austreten kann – im Verständnis der Kirche.

Alle Geschäftspartner und die Gläubigen könnten auf innerkirchliche Solidarität drängen und diese an sich selbstverständliche Verhaltensweise einfordern. Wenn z.B. die Diözese Milwaukee Insolvenz anmeldet, kann sich die Weltkirche nicht abputzen, denn das ist dann kein lokales Problem, wie in den sieben anderen amerikanischen Diözesen, die wegen hohen Entschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer Insolvenz anmelden mussten.

Der wahre Luxus besteht hingegen in etwas ganz anderem: Ein Bischof, der einen unkündbaren Posten hat, ist Herr eines Mensalgutes, dessen Gebarung die Öffentlichkeit nichts angeht. Intransparenz ist da System und Teil des Luxus´. Wer sonst irgendwo Verantwortung trägt, muss seine Taten und die entsprechenden Kosten dafür normalerweise verantworten, speziell wenn er von der öffentlichen Hand Milliarden an Subventionen erhält.

Nicht so im System Kirche: Die ist die fleischgewordene Intransparenz. Das beginnt bei der Wahl des Oberhauptes im Geheimen, bei der nachher die Stimmzettel verbrannt werden. Das geht weiter mit den tausenden Rechtsträgern der Kirche, so dass niemand „der Kirche an sich“ habhaft werden kann und wo sich Pleiten auf den Gesamtkörper kaum auswirken, da Geldströme nur in eine Richtung wandern.

Die Kirche ist in den Augen der Verwaltung ein Konzern. Er ist heute der einzige weltweit, der keine Rechenschaft darüber abgeben muss, was mit dem Geld passiert, wo es veranlagt ist, wie sicher die Gelder sind und ob sie nicht für „goldene Badewannen“ ausgegeben werden. Er ist der einzige Konzern, der sich  nicht zuständig erklärt, wenn seine Filiale „Slowenien“ Pleite ist.

Die Deutsche Bischofskonferenz konnte z.B. der FAZ diese Woche keine Angaben zum kirchlichen Vermögen machen. Eine Begründung dafür ist auch nicht zu erhalten. Kein Wunder bei einem Vermögen von 430 Milliarden € (geschätztes Gesamtvermögen der Kirche in Deutschland laut „Violettbuch“ von Carsten Frerk). Da wird jeder schweigsam.

Fazit: Die kirchlichen Finanzen müssen zusammengefasst werden – weltweit und alle Glieder des Leibes Christi müssen gegenseitig haften. Dann würden sich auch die van Elsts rasch in Grenzen halten…