Van der Bellen enttäuscht die Hoffnungen seiner vielen säkular denkenden Wählerinnen und Wähler

Wann immer man über Reformen diskutiert, die mit Katholizismus zu tun haben, kommt das Killerargument: Das Konkordat ist unauflösbar! Wenn das Konkordat sogar vom Bundespräsident als vorteilhaft bezeichnet wird, wird sich in diesem Land nie etwas ändern! Es wäre das Gegenteil angezeigt: „Das Konkordat ist aufzulösen, weil mittlerweile 80 Jahre vergangen sind und wir nicht mehr im 95%-katholischen Faschismus-Staat leben!“

Es waren primär Säkulare, Freidenker, Humanisten,  Atheisten und die Liberalen, die Van der Bellen gewählt haben, immerhin sind 53% der Österreicher nicht religiös (lt. Gallup 2012 Religiosity Study). Das deckt sich, Zufall oder nicht, mit dem Prozentsatz, mit dem Van der Bellen gewählt wurde. Diese Wähler enttäuscht er, nur um der Kirche den Speichel zu lecken, wie dies alle Bundespräsidenten vor ihm auch gemacht haben, inklusive nicht-religiöse wie Heinz Fischer. Die leisen Nicht-Religiösen werden nicht einmal empfangen. Diplomatie in Ehren, aber all das hat doch auch weitreichende Konsequenzen! Auch auf andere, nicht-aufgeklärte Religionen!

Wieder wird es auch nach 20 Jahren Schulversuch keinen Fortschritt geben bei der Einführung des Ethikunterrichtes und der Verbannung des Religionsunterrichtes aus den Schulen. Das ist aber eine Überlebensfrage für unser liberales Denken und unsere demokratische Kultur angesichts der Bedrohung durch nicht-aufgeklärte Religionen. Es wird wieder keinen Anlauf geben, die säkular denkenden Araber, Asiaten und Nordafrikaner als selbständige Menschen anzusprechen, weil sie in Bausch und Bogen als Muslime gelten, die durch radikale Muslime wie Milli Görös vertreten werden, ein verlängerter Arm von Erdogan. (Siehe Studie Heinisch-Memedi, „Die Rolle der Moscheen im Integrationsprozess“, 2017). Es werden alle Privilegien, die das Konkordat enthält, wie die 1971 erfolgte Einrichtung der regelmäßigen Übernahme der Personalkosten von kath. Privatschulen durch den Staat, auf diese Art perpetuiert. Es wird die Theologische Fakultät vom Staat finanziert, obwohl die Theologie keine Wissenschaft ist, deren Voraussetzung die Ergebnisoffenheit ist (Abhängigkeit von Vatikanischen Weisungen!). Die Humanisten Vereine werden weiter ein Aschenbrödel-Dasein fristen, während die Kirchen mit ihren 10.000 Immobilien nicht wissen, was damit anfangen. Kirchen (und damit auch der Islam) werden weiter aufgewertet, obwohl ihre Mitgliederzahlen laufend sinken und die Bevölkerung in ihrer Einstellung nicht mehr abgebildet wird.
Die Wahrheit ist, dass das Konkordat nur Vorteile für die Kirche gebracht hat, der Staat jedoch praktisch nur Pflichten übernommen hat, sodass man schon aus diesem Grund den Vertrag als „sittenwidrig“ bezeichnen muss. Die Rechtsgrundlage ist ebenfalls nicht mehr gegeben, nämlich der politische Wille, den Katholizismus als Staatsreligion zu etablieren und festzuschreiben. Religionsfreiheit mit Religionsprivilegien zu verwechseln ist für den höchsten Mann im Staat peinlich. Die Aussage des Herrn Bundespräsidenten ist verfehlt.

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Aussendung d. Humanistischen Gemeinschaft d. Freidenker Österreichs v. 20.9.2017

Betrifft: Die Aussagen H.C. Straches in einer Wahlkampfrede am 16.9. 2017 „Wem das Kreuz in der Schulklasse nicht passt, der soll das Land… verlassen!“

„Damit hat H.C. Strache seine Kriegserklärung an alle Ausländer und Migranten auf die Ungläubigen dieses Landes ausgedehnt, zu denen ich mich auch zähle!“ erklärte G. Engelmayer, der Vorsitzende der überparteilichen Freidenker Österreichs und der Konfessionfreien zur APA. Laut Engelmayer greift Strache damit rund 53% der Österreicher an, die zwar zum Teil noch bei der Kirche gemeldet sind, aber sich selbst als „ungläubig“ bezeichnen.
Da für diese Menschen und vor allem für die rund 2 Mio. Konfessionsfreien die Religion Privatsache sein sollte, ist dieser Satz für Millionen Österreicher ein klar antisäkulares Statement. Der Satz rüttelt an den Grundfesten der Demokratie und des Pluralismus. Er zeigt, was Österreich zu erwarten hat, wenn Strache und seine Bundesbrüder an die Macht kommen.
In seiner grenzenlosen Simplifizierung gibt es für Strache nur den Islam und das Christentum. Dieses ist als Legitimation für europäische Werte ungeeignet. Wie der politische Islam ist auch das politische Christentum, das zwischen 1934 und 1938 in Österreich autoritär herrschte, ein gemeinsames Feindbild der Österreicher. Europäische Werte sind die Aufklärung (Demokratie, Meinungsfreiheit, Säkularität und Rechtsstaatlichkeit), die die Kirche bekämpft hat. Christliche Werte sind Keuschheit, Gottesfurcht, Demut und Armut(der Gläubigen, nicht der Kirche).

Das „Manko“ der Konfessionsfreien

Ein Konfessionsloser gilt in Österreich als interesseloses Neutrum. Ein Missstand, den man abschaffen muss.

Die jüngste Studie zur Konfessionszugehörigkeit (VID) gibt Anlass, auf einen Missstand aufmerksam zu machen: Kaum tritt jemand aus der Kirche aus, wird er als interesseloses Neutrum betrachtet. Die katholische Religion wird nach wie vor als geheime Staatsreligion gehandelt. Die acht Prozent Muslime sind medial überrepräsentiert, während 17 Prozent Konfessionsfreie traditionell als meinungslos betrachtet werden.

Davon sind die Säkularen, Humanisten und Konfessionslosen weit entfernt. Sie dürfen nur nach dem österreichischen Kultusgesetz nicht einmal ein „Bekenntnis“ sein und eine entsprechend anerkannte Gemeinschaft bilden, wie dies z. B. selbst im urkatholischen Bayern der Fall ist. In Österreich gibt es laut Gesetz nur „religiöse“ Bekenntnisse, die den Schutz des Staates verdienen (darunter Zeugen Jehovas)!

Solche Bekenntnisgemeinschaften sind rechtlich den Kirchen fast gleichgestellt als Körperschaften öffentlichen Rechts, sie haben das Recht, eigene Sendungen zu gestalten, sie betreiben humanistische Kindergärten, Schulen und soziale Einrichtungen, vor allem vertreten sie die Interessen ihrer Mitglieder und die der Konfessionsfreien im Allgemeinen.

 

Klare Weltanschauung

Aus Sicht der Religiösen sind die Konfessionsfreien nämlich konfessionslos, haben also ein Manko. Sie sind jedoch kein weltanschauliches Neutrum, sondern haben eine klarere Weltanschauung als die meisten Katholiken („Na, da wird es schon irgendwas geben!“).

Man müsste vor allem die Realität des Glaubens berücksichtigen: Danach sind laut „Gallup Religiosity Study 2012“ über 53 Prozent areligiös (zehn Prozent dezidierte Atheisten), und nur 42 Prozent bezeichnen sich selbst als „religiös“, während laut VID-Studie 83 Prozent religiös sein müssten: Das bedeutet, dass rund die Hälfte Taufscheinchristen und Scheinmuslime sind. Gerade die werden aber von Fundamentalisten vertreten. Säkulare Muslime, die in unserem Interesse sein müssten, werden vom Staat nicht als Gesprächspartner angesehen.

 

Politik hinter der Realität

Im Klartext: Die Politik hinkt der Realität bewusst hinterher, weil man sich nach der guten alten Zeit sehnt, in der man alle Bürger via Religion noch gut im Griff hatte. Jedem ist klar, dass in einer pluralistischen Gesellschaft die einzige Art des Zusammenlebens nur durch Säkularität („Religion ist Privatsache“) gewährleistet ist. Diese fühlen sich allein durch die geduldete Existenz (Toleranz) anderer Bekenntnisse eingeengt bis beleidigt, weil die Anerkenntnis anderer Religionen und Götter nebeneinander schon per se eine Relativierung der eigenen Absolutheit bedeutet.

Die Kirchen entkommen dem Vorwurf des Fundamentalismus nur durch die erfreuliche pausenlose Übernahme von humanistischem Gedankengut („Nicht Gott steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch“) und Verkauf als eigene „christliche Werte“. Da diese Entwicklung in den Augen der Konservativen einen Verrat darstellt, kann man sich ausrechnen, wie schnell hier ein Rückschnalzeffekt wie in Polen zum Tragen kommen kann.

Dem kann man nur entgegenwirken, indem man Etikettenschwindel vermeidet, humanistische Entwicklungen fördert statt unterdrückt, sie auch so benennt und Staat und Kirche konsequent trennt. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Antwort auf muslimische Kindergärten nicht katholische sind, sondern humanistische. Kinder haben ein Recht auf die Wahrheit „state-of-the-art“. Zum Beispiel dass der Mensch ein Produkt der Evolution ist.

Der Autor ist Vorsitzender des Freidenkerbundes Österreich und des Zentralrats der Konfessionsfreien.

Abschluss-Vortrag am Humanistentag 2017

Motivation und Vision HT17

Ich bedanke mich zuerst, dass ich hier zu Wort kommen darf. Ich werde versuchen, Sie nach diesen anstrengenden Tagen nicht mehr mit allzu schwerer Kost zu versorgen. Ich habe erst auf der Reise hierher erfahren, dass ich hier sprechen darf und deswegen mögen Sie mir meine improvisierte Rede verzeihen.

Ich habe mir alles angehört und angesehen, was möglich war. Ich möchte das, was ich mitgekriegt habe ein wenig reflektieren und gleichzeitig eine kleine Ausschau halten und Visionen loswerden.
Aber lassen sie mich die Quintessenz schon vorwegnehmen:
Dieser Humanistentag muss zu einer Dauereinrichtung werden! Ich habe auf meinem Computer beim Wort „Humanistentag“, das der Computer natürlich nicht kannte, schon auf den Knopf „Hinzufügen zum Wörterbuch“ gedrückt.

Die Qualität der Planung, der Diskussionen, der Moderatoren, war großartig! Es gab tolle Vorträge. Ich durfte da auch einen kleinen Beitrag mit meinem Vortrag leisten über den Säkularitäts-Index, wofür ich dankbar bin, weil meine Auftrag ist, ihn bekannter zu machen. Es gab eine tolle Organisation mit vielen emsigen und freundlichen Mitarbeitern! Tolle Organisation! Bis hin, dass im Hotel ist in jedem Nachttisch schon eine Bibel lag! Also vielen Dank dafür!

Die Einzige Kritik: Ich würde mit die Einzahl des Humanistentages noch mal überlagen, wenn es in Summe drei sind. Das mit der Drei in Eins überlassen wir lieber anderen!

Was man auch noch kritisch anmerken könnte, dass bei einigen wenigen Vorträgen, wie z.B. bei den gläsernen Wänden die Vorgabe von Michael Bauer, nämlich ein Austausch mit den Meinungen des Publikums zu gewährleisten zu kurz gekommen ist. Da ist vielleicht eine noch stärkere Gewichtung in Richtung Publikum wünschenswert. In anderen Vorträgen gab es keine Probleme. Die Moderatoren waren quasi ARD-tauglich. Durchaus auch vom Aussehen her.

Lassen Sie mich auch mal zum Ausdruck bringen, wie notwendig wir Kopflastigen auch mal die Gymnastik unserer Gefühlwelt haben. Diese Übungen gelingen hier in der oft beglückenden Begegnung von Gleichgesinnten und in der Gewinnung von neuen Einsichten.
Am Ende eines solchen Humanisten – Kongresses wird darüber zu reden sein, wie denn der Ausblick für unsere Sache aussieht. Welche Visionen haben wir, was treibt uns an?

Was wir hier vom Humanistentag mitnehmen und mitnehmen wollen, ist ein ganzer Rucksack von Motivation für unsere Arbeit. Es ist das, was den evolutionär denkenden, den dynamisch denkenden Menschen antreibt, es ist eine Vorstellung von der Zukunft, die die Mühen der Ebene wert ist.
Und wenn ich gleich damit beginne, dann müssen wir von den Kindern reden, denn das sind die, die die Zukunft gestalten werden. Die sind hier einbezogen worden im Kinderhumanistentag. Das fand ich wichtig. Das empfand ich als USP, als Einzigartigkeit für einen quasi Philosophischen Kongress. Ich halte es da mit einem Ausspruch, ich glaube es war Einstein, der gesagt hat, dass man eine Einstellung von Leuten nicht ändern kann durch Überzeugung, sondern dadurch, dass man wartet, bis sie aussterben. Nicht charmant aber wahr.

Wenn das wahr ist, dann muss man umso mehr mit den Kindern arbeiten. Es wäre leicht, den Kindern die Neugier auf die Welt schmackhaft zu machen, denn Kinder sind ja von Natur aus saugfähig wie ein Schwamm für Informationen über die Welt. Die Feinde sind Ablenkung und als Fakten dargestellte Narrative. Es muss einen fairen Wettbewerb geben zwischen dem Wissen der Menschheit und ihren Mythen. Und hier kommt schon mein Ceterum censeo: „Kinder haben ein Anrecht auf die beste verfügbare Information! (Wie sie ein Anrecht haben auf die beste Medizin.)“

Dazu gehört auch eine kindgerechte Darstellung, vielleicht ein Narrativ über die Entstehung der Welt, über Evolution und Aufklärung. Wenn die Kinder Basiswissen haben, ruhig auch in vernünftiger Konkurrenz mit religiösen Narrativen, vielleicht werden dann in Österreich auch Kardinäle wissen, dass der Blinddarm kein verpatztes Ding der Schöpfung ist, sondern ein evolutionäres Überbleibsel. Und wenn das Wissen steigt, werden in Deutschland irgendwann auch MinisterInnen wissen, dass das Grundgesetz nicht die 10 Gebote zusammenfasst. Vielleicht werden dann auch Kinder schon Fragen stellen, die heute nur Kabarettisten stellen. Was passierte mit den Milliarden Darmbakterien von Jesus Christus bei der Auferstehung? Sind sie auch mit ihm in den Himmel aufgefahren oder sind sie auf der Erde geblieben, Sie wissen was ich meine Herr Lehrer? Unmittelbar nach Fronleichnam ist die Frage doch auch aktuell, nämliche die Frage: Mit oder ohne Mikroorganismen?

In unseren beiden Ländern sind gute Ansätze versucht worden, durch „Philosophie für Kinder“ und durch „team-Freiheit“. http://www.teamfreiheit.info

Wie schwierig die Loslösung von den eingefahrenen Gleisen ist, hinter denen tausend Jahre Indoktrination und sehr viel Restgeld steht, das erfuhren wir in den Vorträgen von Ethikunterricht in Baden-Württemberg vs. herkömmliche Moral, Leidverarbeitung vs. Leidverherrlichung über Frida Khalo von Joachim Kahl.

Natürlich brauchen wir auch die Mittel, um unsere Gedanken durchzusetzen. In der Diskussion der Gläsernen Wände ist z.B. kaum thematisiert worden, dass man Mitgliedszahlen nicht gleichsetzen kann, wenn die einen jedes Jahr Milliarden vom Staat bekommen und die anderen, unter dem hämischen Hinweis auf die Mitgliedszahlen, nicht.

Da muss man folgende Frage stellen, nur so als Denkmodell: Wie sähe die Mitgliedszahl der Konfessionen bei zero – Budgeting aus, also hätten alle die gleiche Ausgangslage bei 0, und wäre jeglicher Zwang oder sozialer Druck ausgeschaltet, also auch der auf die Kinder. Immerhin gab es bis vor wenigen Jahrzehnten noch faktische Zwangsmitgliedschaften. Wenn ein Kind nicht getauft war, das in die Schule kam, wurde es zwangsgetauft. Können Sie in meinem Buch „Warum man Kinder nicht taufen lassen sollte“ nachlesen. Was, wenn die Menschen auf gleiche Weise zum Katholizismus kämen wie zum Humanismus? Nämlich durch Bildung und intellektuelle Anstrengung. Wie sähe es aus, wenn sich die Unterstützung einer Organisation einfach nach der Einstellung der Menschen oder nach ihrem Status richtet, wie das etwa bei Gewerkschaften der Fall ist? Nicht jeder ist bei der Gewerkschaft, jeder Arbeitnehmer wird aber dennoch von ihr glaubwürdig vertreten.

Gibt es Menschen in Deutschland und Österreich, die ebenso wenig Chancengleichheit haben wie Humanisten und Konfessionsfreie? Sicher ist es in Österreich noch viel schlimmer. In Österreich ist für die Restaurierung eines alten verrosteten Eisenkreuzes, wo im Jahr 10 Verirrte hinkommen, 300.000 Euro ausgegeben worden. Mit links. Wir bekommen im Jahr 1000 Euro Zeitungsförderung. Wir werden nicht diskriminiert, wir Humanisten sind inexistent. Hier in Deutschland werden 300 Mio für die Prävention von Extremismus locker gemacht werden. Was für eine Ho-Ruck- Politik! Was könnte man mit 300 Mio alles bewirken, würde dies in Humanistische Bildung bei Kindern und jungen Leuten investiert. Sie würden aus innerem Antrieb vor Extremismus besser gefeit. So kommt es vielleicht zu ein paar kosmetischen Lektionen, nicht aber zu einer Bekämpfung der Ursachen. Prävention von Extremismus kann man doch nicht mit dem erhobenen Zeigefinger bekämpfen, sondern damit, dass die Menschen ein würdevolles Leben führen können, also in Brot und Arbeit sind.
Politik ist immer kurzfristig. Sinnvolle Geldausgaben sind immer langfristig! Das kommt einfach nie zusammen.

Extremismus wird durch unser Beispiel einer freien und offenen Gesellschaft bekämpft, auf die die jungen Menschen keinen Hass aufbauen. Bei Gerhard Engel im Vortrag über „menschengerechte Wirtschaftsordnung“ habe ich gelernt, dass Verteilungskämpfe nicht durch Überlistung der Ökonomischen Wissenschaften zu erreichen ist, sondern eher durch eine gute Kenntnis derselben.
Zunächst kam einmal ein Schlag in die Magengrube seitens Nida-Rümelin, als wir lernen mussten, dass Humanismus keine Weltanschauung, sondern eine Erkenntnis ist. Kann man mit einer Erkenntnis Trauungen veranstalten? Ja kann man, lernte ich von Frank Schulze. Sogar sehr gut. Na also! Den Heiratswilligen ist es egal, ob sie im Namen einer Weltanschauung oder im Namen einer Erkenntnis heiraten. Aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass Nida-Rümelin hier einen Punkt hat, der Punkt allerdings keine Wunde ist, in die man einen Finger legen kann.

Humanismus ist das Ergebnis der Aufklärung. Aufklärung kommt von Aufklarung, ein Moment in dem man mehr erkennt als vorher. Kirche ist dagegen im Verklärungsbusiness. Das ist überall besonders stark ausgeprägt, wo es um den Tod geht. Wir Humanisten haben da einen ganz anderen Ansatz: die Humanistische Sterbebegleitung. Wir lernen, dass hier eine steigende Nachfrage vorhanden ist, die in anderen Ländern wie Österreich schlicht unter den Sarg gekehrt wird.

Wegen mangelnder Dreifaltigkeit meinerseits habe ich den berühmten Rolf Bergmeier versäumt, hatte aber das Buch ohnehin schon gelesen. Ein Mann der so beruhigende Meldungen von sich gibt, wie: „Der Untergang des Abendlandes hat längst stattgefunden und das ist auch gut so.“ Er wirft für gewöhnlich einen neuen Blick auf die Entstehung und Wandlung unserer „abendländischen“ Werte.
Das war auch bei Schöppner der Fall, der die Wertedebatte neu angeregt hat und sie insoferne relativiert hat, als er sie nicht statisch sieht, ein Kernunterschied zu Religiösen. Werte sollte man auch mit Dazugekommenen diskutieren, nicht als Überlegenheitsdebatte, (Stichwort : Leitkultur!) sondern als Debatte, wie wir zusammenleben können. Die müssen wir verlangen. Das fand ich klug!
Jede Aufklärung ist mit Deschner ein Ärgernis
„…, wer die Welt erhellt, macht ihren Dreck deutlicher.“
Andererseits, wie kann man ohne Licht aufräumen? Wie kann man ohne Licht malen? Wie kann man ohne Licht zu ausdruckvollen Kunstwerken kommen? Malerei ist das Spiel mit Licht. Nur wer die Welt kennt, die Hintergründe erhellt, die Realität von allen Seiten beleuchtet, der kann auch zu „erhellenden Erkenntnissen“ gelangen, der hat die Chance, den Eindrücken einen menschlichen Ausdruck zu verleihen. Nur wer die Welt angeschaut hat, kommt zu einer passablen Weltanschauung. Da hat mir Gerhard Engel nicht nur wegen seiner Namensähnlichkeit gefallen, sondern auch weil er sich gegen einen „diesseitigen Illusionismus“ gewandt hat. „Nur weil wir es wollen ist es nicht wahrer.“ Das hat auch ein Fünkchen Religion noch dabei.

Was wir besser machen können und jetzt komme ich zu den Wunschvorstellung oder Visionen, ist sicher die Grundeinstellung zur Zukunft: Denn wer die pausenlose Jammerei und die Pessimismus Olympiade mitmacht, stärkt die andere Seite, die von der Hoffnungslosigkeit lebt und Trost spenden will. Mein Freund Joesi Prokopetz sagte einmal, als wir darüber sprachen, dass er einem trostspendenden Priester am Sterbebett sagen würde: „Was, du drohst mit Trost!?“
Der Humanist ist per defintionem in der Wissenschaft und damit in der Wirklichkeit geerdet. Die Zahlen sprechen eine beredte Sprache. Die Armut ist zurückgegangen, auf 10% der Weltbevölkerung, die Kriege und der Terror ist weniger als noch vor 20-30 Jahren. Unbestritten wir hören den Kriegslärm lauter und sehen die Bilder eines Blattschusses auf ein Militärlager des SI beim Abendessen, als wäre es ein Computerspiel.

Aber wir sollten uns nicht beirren lassen. Der Weg ist richtig, aber es gibt weiterhin Arme und verhungernde Kinder auf der Welt. Ja. Trotzdem mehr Optimismus! Freunde, das Gejammer ist kontraproduktiv. Die anderen werden sagen: Da schaut her, wir haben es ja immer schon gesagt, dass die Welt ein Jammertal ist.

Was wir besser machen können ist, zu versuchen in unserer ganzen Kopflastigkeit mehr Narrativität einzubauen. Dafür habe ich jetzt natürlich auch kein Patentrezept. Es ist ein Prozess, der möglicherweise lange dauert und viele Köpfe braucht. Ich weiß nicht ob Schmidt-Salomons Schweinchen eine patente Lösung ist, aber immerhin, es ist ein Anfang.

Eine wahre Geschichte: Ein Künstler kommt nach Venedig und kündigt eine „weltbewegende“ Sensation an. Er würde die Welt versetzen. So dass die Menschen einen neuen Blick auf die Welt bekommen. Viel Journalisten sind versammelt, alles wartet gespannt, wie der Künstler die Welt versetzt. Da nimmt er ein in der Mitte stehendes Podest, wie man es für eine Statue verwendet, und dreht es um. „Ich habe die Welt auf ein Podest gesetzt.“ Und verschwindet.

Davor und danach gab es viele Künstler, wie z.B. der große Baselitz, die die Welt auf den Kopf gestellt haben. Letzten Endes hat dies auch unser aller geistiger Ziehvater Epikur gemacht, deswegen war er ja auch so angefeindet. Das ist ein Narrativ.

Auch im Lehrbuch der Managementlehre steht schon, dass wir von einer Methode, die nicht funktioniert, nicht immer mehr von demselben machen sollten und denken, dass wir selbst schuld sind, sondern die Methode hinterfragen. Also wie sollte man Humanismus erklären? Das wird komplex und intellektuell anspruchsvoll.

Wir sollten lieber probieren, die Welt auf den Kopf zu stellen. Jahrhunderte haben die Priester gepredigt, umzukehren und sich zu bekehren, nicht zu sündigen oder die Sünden zu bereuen etc. etc. All das hat genau nichts bewirkt, außer dass viele Kirchenbeamte einen sicheren Job gehabt haben, während andere darbten oder in den Krieg ziehen mussten. Besser die Welt auf den Kopf stellen und einmal so probieren.
Michael Köhlmeier hat die Bibel verständlich übersetzt. „Geschichten von der Bibel“. Was wir wirklich brauchten, wäre eine Anti Bibel, in der die Geschichten anders ausgehen. Nicht die Bibel, die von der Erlösung spricht, sondern die Bibel, die uns von der Bibel erlöst! In der der Vater Abraham sich nicht fügt und seinen Sohn opfern will um seinen Glauben an Gott zu beweisen, sondern in dem Abraham gegen den Himmel schreit, dass Gott offenbar von Gott verlassen ist, und dass er nie seinen Sohn umbringen wird, dass ein solches Ansinnen also ihn eher vom Glauben abbringt, ja schon hat, ein solcher Gott ist kein Gott sondern nach unserem geltenden Strafgesetzbuch ein Anstifter zum Mord. Eine Bibel, in der der alte Mann in (Ri 19,15-30) nicht seine eigene jungfräuliche Tochter und seine Frau Verbrechern statt seinen Gästen für die Nacht offeriert. Eine Bibel, in der die Ammoniter nicht in die Öfen geschoben werden.

Vielleicht auch eine Bibel, in der die Menschen nicht von den Toten auferstehen, eine fürchterliche Vorstellung! –Die Vorstellung mit meiner Ex-Schwiegermutter in der Ewigkeit vereint zu sein im Angesicht Gottes.

Es sind ja erstaunlicherweise immer die Leute, die das ewige Leben fordern, die an einem trüben Sonntagnachmittag nicht einmal 2 Stunden etwas mit sich anzufangen wissen.
Schöner ist die Vorstellung, eines erfüllten Lebens, für mich eines Leben nach Goethe
„saure Wochen, frohe Feste,
harte Arbeit, abends Gäste, …
Nach der Formel legt man wie Goethe sicher nicht ungern sein Haupt in die Kissen, vielleicht im Kreise der Familie. Die Vorstellung irgendeiner Ewigkeit ist einfach unmenschlich und wenig attraktiv, wie jeden Tag Schnitzel essen.

Die Schönheit eines Gedankens kann überhaupt nur in menschlichen Dimensionen gedacht werden und die sind grundsätzlich anders als die in der Bibel, nämlich ziemlich genau das Gegenteil. Stellen wir die Welt auf den Kopf und wir sind schon da:
Menschsein heißt
– Kreativ zu sein und das Abenteuer ist im Kopf statt Angst vor sündigen Gedanken zu haben (gesündigt in Gedanken Worten und Werken…) Gunkl
– Sich selbst zu retten, statt eine Erlösung anzustreben und dafür auch ausgestattet zu sein
– Fehler machen zu dürfen- Errare humanum est und nicht ein Sünder zu sein, vor allem kein –Erbsünder, die Erbsünde bei Kindern ist nicht nur schlecht erfunden, sondern ein zutiefst unmenschlicher und unbarmherziger Gedanke, also wenn ein Herr Hempelmann er wäre ja auch ein Humanist, dann muss man ihn fragen, ob die Erbsünde damit abgeschafft ist
– Zu kämpfen und wenn wir verlieren, wieder aufzustehen statt „Goschen halten und Hände falten“
– Freude und Glück suchen zu dürfen statt das Leid wie Hiob zu ertragen oder das Leid zu glorifizieren mit Kreuzen überall auch in der Schule.

Wir kommen dann zu einer großen Übersichtlichkeit ja zu einer gewissen Schönheit des humanistischen Gedankens, wegen des großen Einklangs oder Zusammenklangs mit dem was wir als Menschen von uns und von der Natur wissen. Wer z.B. wie ich die Schönheit einer in sich geschlossenen und schlüssigen Theorie wie die der Thermodynamik lernen durfte, kennt das Gefühl der Schönheit eines Gedankens, obwohl der Begriff der Schönheit uns Menschen aus sexuellen Gründen zu einem Begriff geworden ist. (Jared Diamond und a. )
Die monotheistische Welt upside down, also auf den Kopf gestellt, eigentlich endlich aufgestellt, das bedeutet:
1. Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung (Folge dem idealen Menschen Jesu nach!)
2. Bildungsfreundlichkeit statt Bildungsfeindlichkeit (Boko Haram!)
3. Körperfreundlichkeit statt Körperfeindlichkeit
4. Menschenfreundlichkeit statt Stammesdenken
5. Mensch als Teil der Natur statt als Geschöpf Gottes
6. Gesellschaft ist horizontal gestaltet statt vertikal wie der Kölner und der Stephansdom
7. Humor ist Teil unserer Natur statt Ernst und Humorlosigkeit als Lebensprinzip
8. Selbstvertrauen statt Gottvertrauen
9. Endlichkeit statt Unendlichkeit
10. Dynamisches Denken statt statisches Denken
Alle diese Punkte können wir einordnen in unser wissenschaftlich fundiertes, evolutionäres Leben, was A-Humanisten (Ha, jetzt kommt die Retourkutsche! Solange es A-theisten gibt) nicht können. Sie können nicht in den heutigen Erkenntnissen, ja im State-of –the –art-Wissen geerdet sein. Machen wir ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn wir alles Wissen und alle Religionen durch eine Katastrophe und durch Amnesie verlören? Wir hätten nach einer bestimmten überblickbaren Zeit wieder dasselbe Wissen, aber ganz andere Religionen. Ein Zero Budgeting der Wissenschaft wäre ein Rückschritt, aber es würde uns Menschen immer wieder zur gleichen Situation bringen, was die Unwillkürlichkeit beweist. Religionen sind hingegen zufällig und willkürlich oder aus bestimmten kulturellen und gesellschaftlichen Situationen heraus geboren und würden nie wieder zum gleichen Ergebnis führen. Hätte der Kaiser Julian z.B. 363 in der Schlacht von Maranga gegen die Perser mit nur 32 Jahre nicht den Tod gefunden, hätte der Christenfeind länger Zeit gehabt, die konstantinische Wende rückgängig zu machen.

Machen wir nach der Umpolung ein anderes Gedankenexperiment, das der Extrapolation:
Wäre das Christentum, der Islam erfolgreich, was wäre dann? Gottesstaat! Brrrrhh! In einer Multikulturellen und pluralistischen Gesellschaft fehlt den meisten die Einsicht in die Absolutheit der Ansprüche der anderen. Deswegen gibt es a la longue nur diese Möglichkeit des Zusammenlebens. Das haben die Religionen erkannt und sehen sich, wie gestern Hempelmann gemeint hat, auch als Humanisten. Danach sieht es dort, wo Muslime jetzt am Ruder sind, nicht aus. Wie es beim Christentum aussieht, das haben wir in den rund 1000 Jahren gesehen, in denen das Christentum das Sagen hatte. Ich würde sagen, dass die Religionen immer humanistischer werden, es aber nicht wahr haben wollen. In ihrem reichen Schatzkästchen an Aphorismen haben sie natürlich auch da das passende Kleinod parat. Beispiel: Seit ca. 2000 gibt man sich umweltfreundlich. Es heißt jetzt auf einmal: „Die Schöpfung bewahren!“ Bis 2000 hat man sich die Erde untertan gemacht. Sex ist jetzt auf einmal ein Gottgewolltes Geschenk, während man noch vor kurzem die Zeugungswilligkeit als ausschließlichen Türöffner für den Geschlechtsakt gesehen hat.

Das ist eine Gefahr, der wir in Zukunft sicher begegnen müssen. Wir müssen auf unsere humanistischen Wurzeln stolz sein und auf Geschichtsklitterung sehr bestimmt reagieren. Das betrifft auch die Geschichtsklitterung Nr. eins zu: Europa ist auf Christlichen Werten aufgebaut. Wenn jemand sagt er ist Humanist, dann Gegenfrage: Aha, Gott steht nicht mehr im Mittelpunkt aller Überlegungen des Christentums, sondern der Mensch? Ah doch Gott? Na was jetzt?

Den Umkehrschluss kann man aber auch nicht ziehen, dass eine Welt ohne die Religionen automatisch das Paradies auf Erden ist. Wie sieht es beim Humanismus aus? Friede durch Kooperation. Bescheidung, Nicht-Beleidigtsein, Annahme der menschlichen Kränkungen durch die Wahrheit der Natur.

Meine größte Vision ist, dass wir daran arbeiten, herauszufinden, dass Religion zwar unzweifelhaft große unmittelbare Vorteile für den Menschen hat, vor allem individuelle subjektive, dass aber die Gesellschaft enorm leidet unter den Auswirkungen von Religion und da spreche ich nicht von Terror sondern von Relitätsverlust, von hierarchischem und statischem Denken, vor allem von Stammesdenken, von tribal thinking. Und vieles mehr. Unsere Anti-These macht den Humanismus wie wir ihn verstehen zu größten Friedensprojekt der Menscheitsgeschichte. Danke!

Warum ist nur Adnan Oktar und nicht auch der Kardinal wirr?

Kommentar zu dem Artikel „Evolution als Teufelszeugs“ vom 30.5. 17 im Kurier

Sind die Menschen, die gegen Evolution antreten wirr?
Wenn sie ungebildet sind, nicht, sonst sind sie meist religiös. Diese wissenschaftliche Theorie, die unter normalen denkenden Menschen als Tatsache gehandelt wird, als „Teufelszeug“ abzutun wie der türkische Prediger Adnan Oktar es tut, zeigt die gefährliche Seite der Religion: Die Relativierung von Tatsachen. Religion geht von sogenannten Wahrheiten aus, die im Fall des Islam z.B. einem epileptischen Mann in der Wüste vom Erzengel Gabriel in der Nacht im Traum eingesagt wurden.

Diese „Wahrheiten“ müssen im Alltag ernstlich mit den von Wissenschaft und Forschung erkannten Wahrheiten konkurrieren, weil eine Milliarde Menschen angeblich daran „glaubt“, was natürlich erlogen ist, denn die in diese Religion hineingeborenen Kinder befinden sich in der Einbahnstraße Religion und haben später keine Chance, dieser zu entrinnen. Deren religiöse Ablehnung der Evolution sollte daher nicht zählen, aber so einfach ist das nicht. Vielmehr zählt die kulturell eingefärbte Kulisse einer Ignorantenschar fast ebenso viel wie wissenschaftliche Erkenntnisse, die wegen ihrer anspruchsvollen Begründung eine kleineres Auditorium haben, aber eine fundierte Basis an Argumenten. Leider muss man sich die aber mühsam erarbeiten.

Fazit: Die Evolution müsste schon im Kindesalter in entsprechend angepasster Form an die Kinder als Tatsache herangetragen werden, als Wissen State „of the art“ und nicht zuerst die wirren Abstrusitäten, von dem die Kinder erst mühsam wieder losgeeist werden müssen. Es ist ein Verbrechen, Kindern, die evolutionsbedingt in ihrem Alter alles glauben, die Schöpfungsgeschichte als Tatsache oder nur als ernstzunehmende Theorie zu verkaufen. Ebenso könnte man verlangen, die Storchtheorie als gleichwertige Theorie zur Vaginalgeburt zu vermitteln. Man kann ja die religiösen Erzählungen als kulturell überkommene Mythen weitergeben.

Eine Entlarvung der „Wahrheiten“ als Hirngespinste und Mythen einer Volkskultur ist für die Religion toxisch bis letal. Kein Geschäft der Welt ist so auf Naivität aufgebaut wie das Religionsgeschäft und keines ist so profitabel. Es hat ja keinen Wareneinsatz außer ein paar Hostien und die Einkünfte kommen direkt den Epigonen zugute.
Jeder, der weiß, dass die jährliche Verflüssigung des 1700 Jahre alten Blutes des heiligen Gennaio bei der Prozession in Neapel das ganz normale Verhalten eines sogenannten thixotropen Stoffes ist, macht die Vorgaukelei des Wunders und damit die Spendenbereitschaft der Gläubigen zunichte. Daher ist jede Religion auf Kriegsfuß mit Wissenschaft und Bildung, während sie uns evolutionären Humanisten als wertvollstes Gut in unserer Gesellschaft erscheint.

Es drängt sich die Frage auf:
Wie kann man verhindern, dass Tatsachen im Strudel kulturellen Toleranzgehabens langsam wieder zu „Theorien“ verkommen (Schönborn am 29.5.14 in der Wiener Zeitung): „Die Wahrnehmung von Design (früher „intelligent Design“, Anm.), auch wenn dies nicht von der Evolutionstheorie begründet werden kann, ist für mich Evidenz der Vernunft.“ Genau wie Adnan Oktar, der hat auch eine „Wahrnehmung“. Da fällt es auf, dass man bei Schönborn die Aussage mit einem Achselzucken hinnimmt, bei Adnan Oktar ist es „wirre Propaganda“. Oktar ist allerdings auch Türke. Und da ist man einiges gewohnt. Bildungsminister Ismet Yilmaz kündigte die Streichung von Evolutionstheorie aus türkischen Lehrbüchern an.

Daraus erkennen wir, wie wichtig es wäre, dass alle Kinder schon im Vorschulalter und besonders in der Volksschule über die wahre Herkunft des Menschen aufgeklärt werden, sowohl geschichtlich, evolutionsbiologisch und sexuell.
Jedes Kind hat das Recht auf die Wahrheit und auf die beste verfügbare Information.

Plattform – „Ethikunterricht für alle“

Auf Initiative der humanistischen Gemeinschaft der Freidenker wurde eine Plattform gebildet zur Einführung des Ethikunterrichtes in Österreich. Nach 20 Jahren erfolgreichen Schulversuchs soll endlich der Ethikunterricht in den Regelbetrieb übernommen werden. Die SchülerInnen gehören geeint und nicht getrennt. Und das nicht nur räumlich, sondern auch kulturell. Glaubensinhalte gehören nicht in die Schule, sondern Wissen darüber. Analog zum Fach „Politische Bildung“ sollte „Ethik und Religionen“ unterrichtet werden und nicht Katholische Religion oder Islam. Wir unterrichten ja auch nicht SPÖ oder ÖVP.
Das Basispapier zur Plattform ist unter http://www.ethic4all.com veröffentlicht.

Kirchenkritik unerwünscht

Kommentar /Replik zu dem Artikel Rudolf Taschner  „Quergeschrieben“ vom 1.12. 2016 in der „Presse“

Diese Replik wurde wenige Tage nach Taschners Artikel eingesandt. Eine Veröffentlichung wurde in Aussicht gestellt. Offenbar war der Artikel aber einigen doch nicht recht. 

Taschner hat Niko Alm und mich als „Schattenboxer“ bezeichnet, deren  „kirchenfeindliche Appelle“…„bestenfalls Clownerien“ sind.

Wenn Kritik geübt wird, sind alle Apologeten zunächst einmal beleidigt. („Kirchenfeindliche Appelle!“) Unsere Religionskritik bezieht sich aber auf klar nachvollziehbare Argumentationen, wie z.B. zum Ethikunterricht.  Kinder sollen genauso wenig Religionsunterricht erhalten, wie sie keinen ÖVP- oder keinen SPÖ-Unterricht erhalten, sondern Unterricht in „Politische Bildung“. Rationale Argumente sollten überall gelten. Genau das fehlt in Österreich. Und jetzt haben wir noch einen Mathematiker gebraucht, der, statt Rationalität zu verordnen, Religionskritik lächerlich macht. Zum „Schattenboxer“ wird man eher, wenn man feuilletonistische Effekthascherei wissenschaftlicher Redlichkeit vorzieht. Die von Taschner gnädig verteidigte Aufklärung begann mit Leuten, die für andere Verräter, Apostaten oder Clowns waren, jedenfalls nicht mit konservativen, angepassten Mathematiklehrern. Jeder Fortschritt begann mit Häresie.

Wie wichtig Religionskritik ist, erfahren wir erst jetzt wieder, da die Gefahren des Islam schlagend und oft von Apologeten weichgespült werden. Religionskritiker kommen kaum zu Wort. Dabei ist gerade bei der Religion Skepsis angebracht, angesichts der Geschichte und der religiös dominierten Länder dieser Welt. Das Ergebnis ist ein Monopol oft unsachlicher Islam-Kritik im menschenfeindlichen FPÖ-Reservat.

Auch wenn man es noch hundertmal behauptet – es wird nicht wahrer, dass die „Aufklärung aus der christlichen Tradition zu schöpfen vermochte“. Eine glatte Geschichtsklitterung! Da wurde gar nichts geschöpft, sondern höchstens geköpft. Die Aufklärung ist gegen den erbitterten Widerstand der Kirche durchgesetzt worden, dafür gibt es hunderte Beweise, u.a. den „Antimodernisten-Eid“, den beide heute noch lebenden Päpste vermutlich geschworen haben. Die gefühlte Wahrheit ist abhängig vom Mediengewicht, d.i. etwa 1000:1 zugunsten der Kirche. Für Kirchenkritiker ist in Absurdistan und im ORF die Religionsabteilung verantwortlich. Die Kirchenzeitung ist heute überall. Einzig der „Presse“ muss man Pluralismus attestieren. Clownesk ist höchstens ein Boulevard mit Predigten, Society-Dompfarrern und Wissenschaftlern, die erzreaktionäre, brachial-katholische Autoren wie M. Matussek als Geschenk empfehlen.

Niavarani in einem Interview: „Europa ist nicht den christlichen Werten verpflichtet, sondern der Aufklärung.“ Was fehlt, ist das Bekenntnis zu Humanismus und Aufklärung. Was fehlt, sind mehr Niavaranis. Die Kluft zwischen den realen Einstellungen der Bürger (>50% Nichtreligiöse) und den politischen und medialen Gegebenheiten wird immer größer. So bleibt das Land statisch denkend, reformunfähig, rückwärtsgewandt, naturwissenschaftsfeindlich (vorletzter Platz in Europa), gesellschaftlich unterentwickelt (Sterbedebatte), autoritätshörig buckelnd und finanziell ausgebeutet durch Milliardensubventionen jedes Jahr für die Kirche.

Erst gestern hat der Jugendforscher Heinzlmaier in Ö1 bekräftigt, dass er es unverantwortlich findet, Kinder religiösen Neurotikern auszuliefern. Religiöse Traditionen sind fein, nicht aber religiöse Fundamente, die uns die Zukunft verbauen, wie z.B. die Verhinderung des Ethikunterrichts für alle.

Gerhard Engelmayer

Freidenker feiern Tag der Menschenrechte

Erklärung des Freidenkerbundes zum Tag der Menschenrechte:

Die Menschenrechte wurden vor rund 200 Jahren von Freidenkern entwickelt (u.a. La Fayette, Jefferson, Paine und Kant) und von den Vereinten Nationen 1948 im Artikel 217A festgelegt. Für uns Freidenker sollte dieser Tag  der höchste Feiertag des Jahres sein. Während viele der religiösen Feste völlig an Bedeutung verlieren, ja nicht einmal gewusst wird, was an diesem Tag gefeiert wird, sollte der Menschrechts-Tag gefeiert werden wie kein anderer. Die Menschenrechte sind nach unserer Meinung die größte gesellschaftliche Errungenschaft der Menschheit überhaupt. Europa sollte auf seine Entwicklung stolz sein und versuchen,  diesen Beitrag weiter zu entwickeln und in alle Welt zu exportieren.

Es müssten alle gesellschaftlichen Kräfte daran arbeiten, diesen Tag entsprechend zu würdigen, Feiern abzuhalten und den Kindern die Bedeutung der Menschenrechte näher zu bringen.