Geschlechtsneutrale Erziehung ? Religionsneutrale Erziehung liegt näher!

Gastkommentar zu Artikel „Wo auch Buben mit Barbies spielen“ Kurier vom 10.7.18

Grundsätzlich muss man den Anhängern der geschlechtsneutralen Erziehung edle Motive zubilligen. Aber ist das wirklich die Priorität Nr. 1 bei der Erziehung von Kindern? Ist es ein vernünftiges Ziel, Buben zu sanftmütigen Puppenspielern zu erziehen und Mädchen zu Technikfreaks? Steht dahinter nicht eher der vernünftige Versuch, sich Kinder selbst entwickeln zu lassen, nach ihren Begabungen und Neigungen? Muss man dann nicht akzeptieren, was dabei herauskommt und sich über die vielleicht überraschenden Entwicklungen freuen?
Das ist eine erfreuliche Entwicklung! Nur die Prioritäten sind schlicht verrückt. Denn dass ein Kind nun mal ein Bub oder ein Mädchen ist, hat die Natur so vorgegeben, man muss es nicht verstärken, aber auch nicht verleugnen.

Anders verhält es ich bei nicht naturgegebenen, sondern kulturgegebenen Faktoren wie Religion und Ideologie. Da scheut sich offenbar niemand, das Klischee zu vervielfältigen und im Dienste einer Fernmacht das Kindsein für kindferne Zwecke zu missbrauchen. Was da in das Hirn eines Kindes eingeprägt wird, ist ein ganzes Leben lang vorgefertigte Ideologielast, die die Entwicklung des Kindes sehr oft behindert und durch die sich das Kind erst freischaufeln muss. Es gibt keine katholischen, evangelischen oder muslimische Kinder, sondern nur Kinder, die Kinder sein möchten, die Welt erfahren und staunen lernen möchten. Es gibt Kinder, die mit anderen spielen möchten, die sich als Persönlichkeit entdecken möchten und nicht als Gegner oder Feinde im Sinne anderer Religionsanhänger, wie dies bei der Einschulung der Fall ist, wo die Kinder verschiedenen Glaubens in verschiedene Ecken gestellt werden.

Da ist es doch viel wichtiger, aufgesetzte Religionsklischees zu vermeiden, eher als natürliche Genderklischees, denn das Geschlecht steht fest, die Religion nicht. Wie die Praxis zeigt, entscheiden sich ein Großteil der Kinder anders, wenn sie erwachsen sind und verlassen die Kirche der Eltern, wenn sie frei sind. Eine meiner Töchter, die nicht getauft war, hat sich mit 14 entschieden, sich taufen zu lassen. Der Priester hatte Tränen in den Augen, weil er das zum ersten Mal erlebte, dass sich ein junger Mensch freiwillig, mit klarem Verstand und nicht unter dem Zwang der Eltern zum Eintritt in die Kirche entschied. Das wäre ja auch eine ganz andere Kirche, die aus Nicht-Zwangsgetauften, freiwillig-echten Gläubigen bestünde und nicht aus Taufschein-Christen und heuchlerischen Mitläufern.

Viel wichtiger ist, die Rahmenbedingungen festzulegen, das sind zivilisatorische und humanistische Erziehungsziele, innerhalb derer sich die Kinder entwickeln. Die Kinder müssen in der Tat die Menschenrechte, die Spielregeln der Gesellschaft und die grundlegenden Werte wie Meinungsfreiheit, die sich die Gesellschaft nach der Aufklärung erkämpft hat, kennen. Sie sollten auch angenehme, aber kritische  Zeitgenossen sein, denn nur dann werden sie wertvolle Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft sein, die nicht jedem Populisten auf den Leim gehen.  Schön, wenn die Kinder genderneutral aufwachsen, aber da gibt es eine ganze Reihe von anderen Prioritäten, vor allem das Menschenrecht auf Religionsfreiheit der Kinder (AEM 18) anzuerkennen.

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Gastkommentar der Säkularen Humanisten, Replik zum Kommentar des Dompfarrer Fabers im Kurier vom 4.3. 2018

Vorab: Meine Kritik richtet sich nicht gegen den von mir geschätzten Dompfarrer Faber, es richtet sich gegen das System „Zeitungspredigt“. Gegen Artikel wie diesem, die in sich das Risiko einer schleichenden Gefahr bergen, jedoch als putzig und lieb daherkommen, wie im Faber-Artikel.
Er erzählt eine Zwangsrekrutierung von Kindern für die Beichte im Stile Rosamunde Pilchers als Eingang in ein wärmendes Paradies, eine Sternstunde heuchlerischer Verkaufstätigkeit für ein Himmelsabonnement. Denn einem 7-Jährigen muss man erst seine „Schuld“ einbleuen, um ihm die Befreiung von seinen Sünden „schenken“ zu dürfen. Man kann es nämlich auch so sehen: Hier wird geistiger Gleichschritt in Richtung Selbsterniedrigung und Schuldhaftigkeit trainiert, was der Kirche, aber auch dem Staat so Recht ist. Das Gegenteil dessen, was der moderne Staat braucht: Selbstbestimmte Eigendenker. Ich erinnere mich noch selbst an dieses Ereignis in meiner Schulzeit, das mich psychisch belastet hat, denn ich wusste nicht, was beichten, um dem für mich sicheren Weg in die ewige Verdammnis zu entgehen. So beichtete ich in meiner Not, dass ich ein halbes Schulbrot weggeworfen habe. Falls jemand kein Jausenbrot vernichtet hat, hat die Kirche die patente Erbsünde parat, die alle in die Pfanne haut, auch Kleinkinder. Hauptsache schuldig!

Das soziodemografische Ergebnis ist eine Gesellschaft von Duckmäusern und Heuchlern, von Verantwortungslosen. Sünde kann man loswerden, Verantwortung nicht. Wir brauchen in der Demokratie verantwortungsbewusste Menschen.
Religion ist OK., nicht aber da, wo Pluralismus gelebt werden soll, nicht im Staat, nicht in Schulen und Kindergärten, nicht kritiklos. Schon gar nicht in der Zeitung, die dem Pluralismus verpflichtet ist. Da müssen wir über Religion berichten und nicht predigen. Denn Predigten dulden keinen Widerspruch. Kritik ist unstatthaft, vielfach auch aus vorauseilendem Gehorsam. Partial-Nord-Korea. Reste der repressiven Gegenreformation und des Ständestaates. In Gottes-Staaten bejubeln wir Säkularisten (Türkei), bei uns werden sie mundtot gemacht, auch wenn sie lebenswichtige Kritik üben (muslimische und konfessionelle Kindergärten). Es gäbe eine lange Liste von gerechter Kritik an kirchlichen Praktiken, die nie diskutiert werden (Ich nenne nur an die unverständliche Subventionierung von Kirchenbeitragszahlern mit 120 Mio €.!), auch nicht im Kurier, der mittlerweile eine Speerspitze der unabhängigen Zeitungen in Österreich bildet. Nie darf Kirche echt kritisiert werden, kein Rechnungshof hat da etwas verloren. Der Kardinal hat ein „Bornophon“, das ihm jederzeit zur Prime-Time eine Stimme verleiht. Das per se ist harmlos, als Dauereinrichtung führt es mit anderen Personen wie derzeit zu polnischen und türkischen Zuständen. So sicher wie das Amen im Gebet.

Modell eines modernen Staates – Luxemburg trennt Staat und Kirche

Weniger Staatszuschüsse, kein Religionsunterricht mehr und neue Besitzverhältnisse der Kirchen: Luxemburgs Regierung hat die Entflechtung der Staat-Kirche-Beziehung abgeschlossen.

Die Scheidung zwischen Kirche und Staat ist in Luxemburg nicht einfacher als anderswo. Denn Luxemburg ist traditionell erzkatholisch und die Verflechtungen mit Kirche und kirchennahen Einrichtungen, wie das mächtige Syndikat der Kirchenfabriken Syfel, waren und sind erheblich.

Wenn man eine Sekunde in Zukunft denkt und die gegenwärtige Abnahme der Kirchenmitglieder in die Zukunft extrapoliert, womöglich mit einer beschleunigten Dynamik, dann kommt einmal der Punkt, an dem man sich fragen muss: Was passiert mit den Milliarden-Subventionen, was passiert mit den tausenden Immobilien, die keiner mehr braucht, was passiert mit dem Religionsunterricht?

Und es bleiben viele andere Fragen offen, wie z.B. die generelle Frage nach den Besitzverhältnissen der Kirche. Sind die enormen Güter Besitz der röm.-kath. Kirche, also des Vatikans, der Gläubigen oder sind sie  fragmentiert nach Pfarren. Oder sind sie nicht von unseren Vorfahren bezahlt und errichtet worden? Möglicherweise oder sogar sicher unter Zwang und gegen ihren Willen? Summa summarum, was passiert, wenn die natürliche Entwicklung der Säkularisierung ihren Weg geht?

Dem säkularen Denker ist klar, dass der Weg vorgezeichnet ist und dass es kein Entrinnen gibt. Wem das als politischen Christen noch nicht klar ist, der sehe nach Luxemburg. Da ist schon Realität, was bei uns noch undenkbar ist: Der Religionsunterricht ist abgeschafft und  anstatt Heiligenbildchen zu malen und Glaubenssätze als Wahrheiten zu präsentieren, gibt es das neue Fach „Leben und Gesellschaft“, in aufgeklärten Kreisen die einzige sinnvolle Alternative zum Religionsunterricht in einer pluralistischen und polyreligiösen Gesellschaft.

Alle diese Fragen sind so selbstverständlich, dass es nur wundern kann, dass sie in der Öffentlichkeit nie gestellt werden. Es scheint ein Stillhalteabkommen in den Medien zu geben, keine kirchenkritischen Fragen zuzulassen. Im ORF hat man dies teilweise schon zugegeben. Während es normal ist, die kleinsten Verfehlungen eines Politikers zu Recht zu kritisieren und anzuprangern, ist die Kirche nach wie vor sakrosankt, obwohl sie Teil unserer Gesellschaft ist und von ihr weitgehend finanziert wird. Wie aber kann sich die Gesellschaft weiterentwickeln, wenn grundlegende Fragen nicht gestellt werden dürfen?

Während um Studiengebühren Monate und Jahre lang heftig gestritten wird, die läppische 120 Mio.€ ausmachen, werden oft sinnlosen Milliardenausgaben der Kirche schlicht und einfach unter den Tisch gekehrt. Die schrumpfende Kirche hat ein steigendes Budget. Wie geht das zusammen? Zumindest Fragen müssten zugelassen sein. Auf Dauer kann man eine solche Situation nicht dulden. Die Reife eines demokratischen Systems wird genau an solchen Parametern gemessen.

Die Österreicher sind bereits viel weiter. In diversen Umfragen liegen die Werte bei über 50% für die Gottfernen (Gallup ´12, Religiosity Study, Österreich 53% auf die Frage: Sind sie religiös?). Der Wert für die Religionsmitgliedschaften liegt bei rund 75%, daher ist ein rundes Viertel der Bevölkerung ohne Bekenntnis. Aber ein weiteres Viertel ist noch immer in der Kirche, vermutlich wegen sonstiger Enterbung oder beruflicher Nachteile. Man nennt es Taufscheinchristen. Die Taufraten gehen weiter zurück. In den Zahlen für die  Gläubigen sind die Kinder eingerechnet, die bei Hochrechnung auf den Status zum Teil wegfallen.

Berechnet man alle diese Effekte mit ein, dann ist abzusehen, dass alle diese Elemente in 10-20 Jahren zu einer mehrheitlich säkularisierten Gesellschaft führen werden, die in der Stadt bereits Realität ist. Ja, es gibt Zusammenlegungen von Pfarren, aber was passiert mit den Immobilien? Alles Besitz der Kirche? Oder hat Goethe Recht mit seinem bekannten Ausspruch: “Die Kirche hat einen großen Magen!“ Wo verschwinden die Güter, die unsere Vorfahren im guten Glauben, dass die Kirche ewig ist, ihr anvertraut haben. Wo ist die Stelle, die für Transparenz sorgt? Jedes Dorf kann heute vom Rechnungshof geprüft werden, der Moloch Kirche nicht. Was mit den Milliarden passiert, die die Kirche an Transferzahlungen erhält, ist nirgendwo ersichtlich oder hinterfragbar. Dafür darf aber der Dompfarrer in größter Unverblümtheit seine fashionable Dachmaisonettenwohnung der Presse vorführen.  An einem österreichischen Tebartz van Elst findet einfach niemand etwas dran. In der österreichischen Kultur ist die Kirche – anders als in Luxemburg – sakrosankt (=heiligheilig). Durch Jahrhunderte hindurch hat es die Kirche verstanden, die Politik zu bestimmen, das Geld einzustecken, aber wenn es ans Zahlen ging (Missbrauchskandal) oder ans Schrumpfen wie jetzt, dann ist die Kirche nicht von dieser Welt.

Es versteht sich von selbst, dass die gegebenen Strukturen diese Entwicklung bremsen. Noch immer gilt das Volkstümliche: „Die Kirche spricht mit der Politik: Du hältst sie arm und ich halte sie dumm!“ Aber es ist unverantwortlich und undemokratisch, diese Entwicklung zu negieren oder ihr entgegenzuarbeiten. Die gegenwärtige politische Lage tut das. Wie lange lassen sich die Österreicher noch brav als Schafe in der Herde mit dem guten Hirten behandeln?

 

https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarland/luxemburg-trennt-staat-und-kirche_aid-7099024

Wer ist Humanist?

Humanistische Werte fußen auf humanistischem Denken, das langsam religiös gebundenes,  unfreies Denken ablöst

  1. Der Mensch steht im Zentrum (und nicht Gott). Dadurch entsteht eine andere
    Welt, als die religiös dominierte, die heute noch immer die Gesellschaft prägt.
  2. Individuelle Freiheit ist das höchste Gut – das bedeutet ein selbstbestimmtes und selbstverantwortetes Leben mit sozialer Verantwortung und Mitmenschlichkeit.
  3. Eine friedliche Gesellschaftsordnung ist notwendigerweise säkular: Religiöse tolerieren im besten Fall andere Religiöse, aber Säkulare haben die Möglichkeit eine Vernunftlösung zu finden, die für alle einsichtig ist und echten Frieden schafft. Säkularität behandelt alle Weltanschauungen gleich. Sie trennt Staat und Religion.
  4. Voraussetzung für diese Werte ist eine funktionierende Demokratie mit Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten und pluralistischen Medien
  5. Voraussetzung ist ferner die Liebe zur Wahrheit, der Vorrang von rationalem und wissenschaftlichem Denken vor Dogmatismus und Esoterik vor allem im Bereich des menschlichen Zusammenlebens. Das schließt aber keineswegs Spiritualität im Sinne Einsteins aus (Bewunderung des Universums, tiefe Beziehung zur Natur etc.)
  6. Humanistisches Denken kalkuliert die Fehlerhaftigkeit des Menschen mit ein. Kategorien wie Sünde, Schuld und Sühne kommen im Humanismus nicht zum Tragen.

Aus Anlass der Regierungsbildung aus Sicht der Humanisten:

Bild könnte enthalten: 2 Personen, Personen, die lachen, Anzug

  1. Eine Regierung ist kein Fortschritt, deren „Veränderungen“ darin bestehen, das Rad der Zeit zurückzudrehen.
  2. Eine Regierung, die „nicht streitet“ ist kein Fortschritt, sondern eine Gefahr, da offenbar kein Interessensausgleich mehr stattfindet. Selbstverständlich muss Streit in einer Koalition stattfinden dürfen, wünschenswert ist ein „Streit mit Kultur“. Der beruht auf Achtung und Respekt dem Anderen gegenüber.
  3. Eine Regierung ist kein Fortschritt, wenn sie nicht in der Lage ist, auch die Interessen von kleineren Gruppen und Minderheiten zu berücksichtigen. Die eigenen Interessen brutal durchzusetzen ist keine Kunst, wenn man an der Macht ist. Es zählt also der Generalkonsens und nicht der Mehrheitskonsens.
  4. Jede Entscheidung muss sich an Menschenrechten und Menschenerträglichkeiten messen lassen. Humanismus verlangt nach Liberalismus, Egalitarismus, Individualismus und Säkularität. Wie wir in der Welt sehen, ist nichts davon selbstverständlich. Täglich werden Menschenrechte einem erfundenen neuen „Feind“ geopfert.
  5. Religion einfach weglassen! Wer sich der Illusion hingibt, dass Religion ein fester Felsen ist, auf den man eine friedliche Gesellschaft aufbauen kann, irrt gewaltig. Religionen gibt es tausende, Wirklichkeit nur eine. Die „Wahrheit“ der Religionen hängt davon ab, wer an der Macht ist, die Wahrheit (der Wirklichkeit) ist für alle Menschen gleich.

Van der Bellen enttäuscht die Hoffnungen seiner vielen säkular denkenden Wählerinnen und Wähler

Wann immer man über Reformen diskutiert, die mit Katholizismus zu tun haben, kommt das Killerargument: Das Konkordat ist unauflösbar! Wenn das Konkordat sogar vom Bundespräsident als vorteilhaft bezeichnet wird, wird sich in diesem Land nie etwas ändern! Es wäre das Gegenteil angezeigt: „Das Konkordat ist aufzulösen, weil mittlerweile 80 Jahre vergangen sind und wir nicht mehr im 95%-katholischen Faschismus-Staat leben!“

Es waren primär Säkulare, Freidenker, Humanisten,  Atheisten und die Liberalen, die Van der Bellen gewählt haben, immerhin sind 53% der Österreicher nicht religiös (lt. Gallup 2012 Religiosity Study). Das deckt sich, Zufall oder nicht, mit dem Prozentsatz, mit dem Van der Bellen gewählt wurde. Diese Wähler enttäuscht er, nur um der Kirche den Speichel zu lecken, wie dies alle Bundespräsidenten vor ihm auch gemacht haben, inklusive nicht-religiöse wie Heinz Fischer. Die leisen Nicht-Religiösen werden nicht einmal empfangen. Diplomatie in Ehren, aber all das hat doch auch weitreichende Konsequenzen! Auch auf andere, nicht-aufgeklärte Religionen!

Wieder wird es auch nach 20 Jahren Schulversuch keinen Fortschritt geben bei der Einführung des Ethikunterrichtes und der Verbannung des Religionsunterrichtes aus den Schulen. Das ist aber eine Überlebensfrage für unser liberales Denken und unsere demokratische Kultur angesichts der Bedrohung durch nicht-aufgeklärte Religionen. Es wird wieder keinen Anlauf geben, die säkular denkenden Araber, Asiaten und Nordafrikaner als selbständige Menschen anzusprechen, weil sie in Bausch und Bogen als Muslime gelten, die durch radikale Muslime wie Milli Görös vertreten werden, ein verlängerter Arm von Erdogan. (Siehe Studie Heinisch-Memedi, „Die Rolle der Moscheen im Integrationsprozess“, 2017). Es werden alle Privilegien, die das Konkordat enthält, wie die 1971 erfolgte Einrichtung der regelmäßigen Übernahme der Personalkosten von kath. Privatschulen durch den Staat, auf diese Art perpetuiert. Es wird die Theologische Fakultät vom Staat finanziert, obwohl die Theologie keine Wissenschaft ist, deren Voraussetzung die Ergebnisoffenheit ist (Abhängigkeit von Vatikanischen Weisungen!). Die Humanisten Vereine werden weiter ein Aschenbrödel-Dasein fristen, während die Kirchen mit ihren 10.000 Immobilien nicht wissen, was damit anfangen. Kirchen (und damit auch der Islam) werden weiter aufgewertet, obwohl ihre Mitgliederzahlen laufend sinken und die Bevölkerung in ihrer Einstellung nicht mehr abgebildet wird.
Die Wahrheit ist, dass das Konkordat nur Vorteile für die Kirche gebracht hat, der Staat jedoch praktisch nur Pflichten übernommen hat, sodass man schon aus diesem Grund den Vertrag als „sittenwidrig“ bezeichnen muss. Die Rechtsgrundlage ist ebenfalls nicht mehr gegeben, nämlich der politische Wille, den Katholizismus als Staatsreligion zu etablieren und festzuschreiben. Religionsfreiheit mit Religionsprivilegien zu verwechseln ist für den höchsten Mann im Staat peinlich. Die Aussage des Herrn Bundespräsidenten ist verfehlt.

Aussendung d. Humanistischen Gemeinschaft d. Freidenker Österreichs v. 20.9.2017

Betrifft: Die Aussagen H.C. Straches in einer Wahlkampfrede am 16.9. 2017 „Wem das Kreuz in der Schulklasse nicht passt, der soll das Land… verlassen!“

„Damit hat H.C. Strache seine Kriegserklärung an alle Ausländer und Migranten auf die Ungläubigen dieses Landes ausgedehnt, zu denen ich mich auch zähle!“ erklärte G. Engelmayer, der Vorsitzende der überparteilichen Freidenker Österreichs und der Konfessionfreien zur APA. Laut Engelmayer greift Strache damit rund 53% der Österreicher an, die zwar zum Teil noch bei der Kirche gemeldet sind, aber sich selbst als „ungläubig“ bezeichnen.
Da für diese Menschen und vor allem für die rund 2 Mio. Konfessionsfreien die Religion Privatsache sein sollte, ist dieser Satz für Millionen Österreicher ein klar antisäkulares Statement. Der Satz rüttelt an den Grundfesten der Demokratie und des Pluralismus. Er zeigt, was Österreich zu erwarten hat, wenn Strache und seine Bundesbrüder an die Macht kommen.
In seiner grenzenlosen Simplifizierung gibt es für Strache nur den Islam und das Christentum. Dieses ist als Legitimation für europäische Werte ungeeignet. Wie der politische Islam ist auch das politische Christentum, das zwischen 1934 und 1938 in Österreich autoritär herrschte, ein gemeinsames Feindbild der Österreicher. Europäische Werte sind die Aufklärung (Demokratie, Meinungsfreiheit, Säkularität und Rechtsstaatlichkeit), die die Kirche bekämpft hat. Christliche Werte sind Keuschheit, Gottesfurcht, Demut und Armut(der Gläubigen, nicht der Kirche).

Das „Manko“ der Konfessionsfreien

Ein Konfessionsloser gilt in Österreich als interesseloses Neutrum. Ein Missstand, den man abschaffen muss.

Die jüngste Studie zur Konfessionszugehörigkeit (VID) gibt Anlass, auf einen Missstand aufmerksam zu machen: Kaum tritt jemand aus der Kirche aus, wird er als interesseloses Neutrum betrachtet. Die katholische Religion wird nach wie vor als geheime Staatsreligion gehandelt. Die acht Prozent Muslime sind medial überrepräsentiert, während 17 Prozent Konfessionsfreie traditionell als meinungslos betrachtet werden.

Davon sind die Säkularen, Humanisten und Konfessionslosen weit entfernt. Sie dürfen nur nach dem österreichischen Kultusgesetz nicht einmal ein „Bekenntnis“ sein und eine entsprechend anerkannte Gemeinschaft bilden, wie dies z. B. selbst im urkatholischen Bayern der Fall ist. In Österreich gibt es laut Gesetz nur „religiöse“ Bekenntnisse, die den Schutz des Staates verdienen (darunter Zeugen Jehovas)!

Solche Bekenntnisgemeinschaften sind rechtlich den Kirchen fast gleichgestellt als Körperschaften öffentlichen Rechts, sie haben das Recht, eigene Sendungen zu gestalten, sie betreiben humanistische Kindergärten, Schulen und soziale Einrichtungen, vor allem vertreten sie die Interessen ihrer Mitglieder und die der Konfessionsfreien im Allgemeinen.

 

Klare Weltanschauung

Aus Sicht der Religiösen sind die Konfessionsfreien nämlich konfessionslos, haben also ein Manko. Sie sind jedoch kein weltanschauliches Neutrum, sondern haben eine klarere Weltanschauung als die meisten Katholiken („Na, da wird es schon irgendwas geben!“).

Man müsste vor allem die Realität des Glaubens berücksichtigen: Danach sind laut „Gallup Religiosity Study 2012“ über 53 Prozent areligiös (zehn Prozent dezidierte Atheisten), und nur 42 Prozent bezeichnen sich selbst als „religiös“, während laut VID-Studie 83 Prozent religiös sein müssten: Das bedeutet, dass rund die Hälfte Taufscheinchristen und Scheinmuslime sind. Gerade die werden aber von Fundamentalisten vertreten. Säkulare Muslime, die in unserem Interesse sein müssten, werden vom Staat nicht als Gesprächspartner angesehen.

 

Politik hinter der Realität

Im Klartext: Die Politik hinkt der Realität bewusst hinterher, weil man sich nach der guten alten Zeit sehnt, in der man alle Bürger via Religion noch gut im Griff hatte. Jedem ist klar, dass in einer pluralistischen Gesellschaft die einzige Art des Zusammenlebens nur durch Säkularität („Religion ist Privatsache“) gewährleistet ist. Diese fühlen sich allein durch die geduldete Existenz (Toleranz) anderer Bekenntnisse eingeengt bis beleidigt, weil die Anerkenntnis anderer Religionen und Götter nebeneinander schon per se eine Relativierung der eigenen Absolutheit bedeutet.

Die Kirchen entkommen dem Vorwurf des Fundamentalismus nur durch die erfreuliche pausenlose Übernahme von humanistischem Gedankengut („Nicht Gott steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch“) und Verkauf als eigene „christliche Werte“. Da diese Entwicklung in den Augen der Konservativen einen Verrat darstellt, kann man sich ausrechnen, wie schnell hier ein Rückschnalzeffekt wie in Polen zum Tragen kommen kann.

Dem kann man nur entgegenwirken, indem man Etikettenschwindel vermeidet, humanistische Entwicklungen fördert statt unterdrückt, sie auch so benennt und Staat und Kirche konsequent trennt. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Antwort auf muslimische Kindergärten nicht katholische sind, sondern humanistische. Kinder haben ein Recht auf die Wahrheit „state-of-the-art“. Zum Beispiel dass der Mensch ein Produkt der Evolution ist.

Der Autor ist Vorsitzender des Freidenkerbundes Österreich und des Zentralrats der Konfessionsfreien.

Abschluss-Vortrag am Humanistentag 2017

Motivation und Vision HT17

Ich bedanke mich zuerst, dass ich hier zu Wort kommen darf. Ich werde versuchen, Sie nach diesen anstrengenden Tagen nicht mehr mit allzu schwerer Kost zu versorgen. Ich habe erst auf der Reise hierher erfahren, dass ich hier sprechen darf und deswegen mögen Sie mir meine improvisierte Rede verzeihen.

Ich habe mir alles angehört und angesehen, was möglich war. Ich möchte das, was ich mitgekriegt habe ein wenig reflektieren und gleichzeitig eine kleine Ausschau halten und Visionen loswerden.
Aber lassen sie mich die Quintessenz schon vorwegnehmen:
Dieser Humanistentag muss zu einer Dauereinrichtung werden! Ich habe auf meinem Computer beim Wort „Humanistentag“, das der Computer natürlich nicht kannte, schon auf den Knopf „Hinzufügen zum Wörterbuch“ gedrückt.

Die Qualität der Planung, der Diskussionen, der Moderatoren, war großartig! Es gab tolle Vorträge. Ich durfte da auch einen kleinen Beitrag mit meinem Vortrag leisten über den Säkularitäts-Index, wofür ich dankbar bin, weil meine Auftrag ist, ihn bekannter zu machen. Es gab eine tolle Organisation mit vielen emsigen und freundlichen Mitarbeitern! Tolle Organisation! Bis hin, dass im Hotel ist in jedem Nachttisch schon eine Bibel lag! Also vielen Dank dafür!

Die Einzige Kritik: Ich würde mit die Einzahl des Humanistentages noch mal überlagen, wenn es in Summe drei sind. Das mit der Drei in Eins überlassen wir lieber anderen!

Was man auch noch kritisch anmerken könnte, dass bei einigen wenigen Vorträgen, wie z.B. bei den gläsernen Wänden die Vorgabe von Michael Bauer, nämlich ein Austausch mit den Meinungen des Publikums zu gewährleisten zu kurz gekommen ist. Da ist vielleicht eine noch stärkere Gewichtung in Richtung Publikum wünschenswert. In anderen Vorträgen gab es keine Probleme. Die Moderatoren waren quasi ARD-tauglich. Durchaus auch vom Aussehen her.

Lassen Sie mich auch mal zum Ausdruck bringen, wie notwendig wir Kopflastigen auch mal die Gymnastik unserer Gefühlwelt haben. Diese Übungen gelingen hier in der oft beglückenden Begegnung von Gleichgesinnten und in der Gewinnung von neuen Einsichten.
Am Ende eines solchen Humanisten – Kongresses wird darüber zu reden sein, wie denn der Ausblick für unsere Sache aussieht. Welche Visionen haben wir, was treibt uns an?

Was wir hier vom Humanistentag mitnehmen und mitnehmen wollen, ist ein ganzer Rucksack von Motivation für unsere Arbeit. Es ist das, was den evolutionär denkenden, den dynamisch denkenden Menschen antreibt, es ist eine Vorstellung von der Zukunft, die die Mühen der Ebene wert ist.
Und wenn ich gleich damit beginne, dann müssen wir von den Kindern reden, denn das sind die, die die Zukunft gestalten werden. Die sind hier einbezogen worden im Kinderhumanistentag. Das fand ich wichtig. Das empfand ich als USP, als Einzigartigkeit für einen quasi Philosophischen Kongress. Ich halte es da mit einem Ausspruch, ich glaube es war Einstein, der gesagt hat, dass man eine Einstellung von Leuten nicht ändern kann durch Überzeugung, sondern dadurch, dass man wartet, bis sie aussterben. Nicht charmant aber wahr.

Wenn das wahr ist, dann muss man umso mehr mit den Kindern arbeiten. Es wäre leicht, den Kindern die Neugier auf die Welt schmackhaft zu machen, denn Kinder sind ja von Natur aus saugfähig wie ein Schwamm für Informationen über die Welt. Die Feinde sind Ablenkung und als Fakten dargestellte Narrative. Es muss einen fairen Wettbewerb geben zwischen dem Wissen der Menschheit und ihren Mythen. Und hier kommt schon mein Ceterum censeo: „Kinder haben ein Anrecht auf die beste verfügbare Information! (Wie sie ein Anrecht haben auf die beste Medizin.)“

Dazu gehört auch eine kindgerechte Darstellung, vielleicht ein Narrativ über die Entstehung der Welt, über Evolution und Aufklärung. Wenn die Kinder Basiswissen haben, ruhig auch in vernünftiger Konkurrenz mit religiösen Narrativen, vielleicht werden dann in Österreich auch Kardinäle wissen, dass der Blinddarm kein verpatztes Ding der Schöpfung ist, sondern ein evolutionäres Überbleibsel. Und wenn das Wissen steigt, werden in Deutschland irgendwann auch MinisterInnen wissen, dass das Grundgesetz nicht die 10 Gebote zusammenfasst. Vielleicht werden dann auch Kinder schon Fragen stellen, die heute nur Kabarettisten stellen. Was passierte mit den Milliarden Darmbakterien von Jesus Christus bei der Auferstehung? Sind sie auch mit ihm in den Himmel aufgefahren oder sind sie auf der Erde geblieben, Sie wissen was ich meine Herr Lehrer? Unmittelbar nach Fronleichnam ist die Frage doch auch aktuell, nämliche die Frage: Mit oder ohne Mikroorganismen?

In unseren beiden Ländern sind gute Ansätze versucht worden, durch „Philosophie für Kinder“ und durch „team-Freiheit“. http://www.teamfreiheit.info

Wie schwierig die Loslösung von den eingefahrenen Gleisen ist, hinter denen tausend Jahre Indoktrination und sehr viel Restgeld steht, das erfuhren wir in den Vorträgen von Ethikunterricht in Baden-Württemberg vs. herkömmliche Moral, Leidverarbeitung vs. Leidverherrlichung über Frida Khalo von Joachim Kahl.

Natürlich brauchen wir auch die Mittel, um unsere Gedanken durchzusetzen. In der Diskussion der Gläsernen Wände ist z.B. kaum thematisiert worden, dass man Mitgliedszahlen nicht gleichsetzen kann, wenn die einen jedes Jahr Milliarden vom Staat bekommen und die anderen, unter dem hämischen Hinweis auf die Mitgliedszahlen, nicht.

Da muss man folgende Frage stellen, nur so als Denkmodell: Wie sähe die Mitgliedszahl der Konfessionen bei zero – Budgeting aus, also hätten alle die gleiche Ausgangslage bei 0, und wäre jeglicher Zwang oder sozialer Druck ausgeschaltet, also auch der auf die Kinder. Immerhin gab es bis vor wenigen Jahrzehnten noch faktische Zwangsmitgliedschaften. Wenn ein Kind nicht getauft war, das in die Schule kam, wurde es zwangsgetauft. Können Sie in meinem Buch „Warum man Kinder nicht taufen lassen sollte“ nachlesen. Was, wenn die Menschen auf gleiche Weise zum Katholizismus kämen wie zum Humanismus? Nämlich durch Bildung und intellektuelle Anstrengung. Wie sähe es aus, wenn sich die Unterstützung einer Organisation einfach nach der Einstellung der Menschen oder nach ihrem Status richtet, wie das etwa bei Gewerkschaften der Fall ist? Nicht jeder ist bei der Gewerkschaft, jeder Arbeitnehmer wird aber dennoch von ihr glaubwürdig vertreten.

Gibt es Menschen in Deutschland und Österreich, die ebenso wenig Chancengleichheit haben wie Humanisten und Konfessionsfreie? Sicher ist es in Österreich noch viel schlimmer. In Österreich ist für die Restaurierung eines alten verrosteten Eisenkreuzes, wo im Jahr 10 Verirrte hinkommen, 300.000 Euro ausgegeben worden. Mit links. Wir bekommen im Jahr 1000 Euro Zeitungsförderung. Wir werden nicht diskriminiert, wir Humanisten sind inexistent. Hier in Deutschland werden 300 Mio für die Prävention von Extremismus locker gemacht werden. Was für eine Ho-Ruck- Politik! Was könnte man mit 300 Mio alles bewirken, würde dies in Humanistische Bildung bei Kindern und jungen Leuten investiert. Sie würden aus innerem Antrieb vor Extremismus besser gefeit. So kommt es vielleicht zu ein paar kosmetischen Lektionen, nicht aber zu einer Bekämpfung der Ursachen. Prävention von Extremismus kann man doch nicht mit dem erhobenen Zeigefinger bekämpfen, sondern damit, dass die Menschen ein würdevolles Leben führen können, also in Brot und Arbeit sind.
Politik ist immer kurzfristig. Sinnvolle Geldausgaben sind immer langfristig! Das kommt einfach nie zusammen.

Extremismus wird durch unser Beispiel einer freien und offenen Gesellschaft bekämpft, auf die die jungen Menschen keinen Hass aufbauen. Bei Gerhard Engel im Vortrag über „menschengerechte Wirtschaftsordnung“ habe ich gelernt, dass Verteilungskämpfe nicht durch Überlistung der Ökonomischen Wissenschaften zu erreichen ist, sondern eher durch eine gute Kenntnis derselben.
Zunächst kam einmal ein Schlag in die Magengrube seitens Nida-Rümelin, als wir lernen mussten, dass Humanismus keine Weltanschauung, sondern eine Erkenntnis ist. Kann man mit einer Erkenntnis Trauungen veranstalten? Ja kann man, lernte ich von Frank Schulze. Sogar sehr gut. Na also! Den Heiratswilligen ist es egal, ob sie im Namen einer Weltanschauung oder im Namen einer Erkenntnis heiraten. Aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass Nida-Rümelin hier einen Punkt hat, der Punkt allerdings keine Wunde ist, in die man einen Finger legen kann.

Humanismus ist das Ergebnis der Aufklärung. Aufklärung kommt von Aufklarung, ein Moment in dem man mehr erkennt als vorher. Kirche ist dagegen im Verklärungsbusiness. Das ist überall besonders stark ausgeprägt, wo es um den Tod geht. Wir Humanisten haben da einen ganz anderen Ansatz: die Humanistische Sterbebegleitung. Wir lernen, dass hier eine steigende Nachfrage vorhanden ist, die in anderen Ländern wie Österreich schlicht unter den Sarg gekehrt wird.

Wegen mangelnder Dreifaltigkeit meinerseits habe ich den berühmten Rolf Bergmeier versäumt, hatte aber das Buch ohnehin schon gelesen. Ein Mann der so beruhigende Meldungen von sich gibt, wie: „Der Untergang des Abendlandes hat längst stattgefunden und das ist auch gut so.“ Er wirft für gewöhnlich einen neuen Blick auf die Entstehung und Wandlung unserer „abendländischen“ Werte.
Das war auch bei Schöppner der Fall, der die Wertedebatte neu angeregt hat und sie insoferne relativiert hat, als er sie nicht statisch sieht, ein Kernunterschied zu Religiösen. Werte sollte man auch mit Dazugekommenen diskutieren, nicht als Überlegenheitsdebatte, (Stichwort : Leitkultur!) sondern als Debatte, wie wir zusammenleben können. Die müssen wir verlangen. Das fand ich klug!
Jede Aufklärung ist mit Deschner ein Ärgernis
„…, wer die Welt erhellt, macht ihren Dreck deutlicher.“
Andererseits, wie kann man ohne Licht aufräumen? Wie kann man ohne Licht malen? Wie kann man ohne Licht zu ausdruckvollen Kunstwerken kommen? Malerei ist das Spiel mit Licht. Nur wer die Welt kennt, die Hintergründe erhellt, die Realität von allen Seiten beleuchtet, der kann auch zu „erhellenden Erkenntnissen“ gelangen, der hat die Chance, den Eindrücken einen menschlichen Ausdruck zu verleihen. Nur wer die Welt angeschaut hat, kommt zu einer passablen Weltanschauung. Da hat mir Gerhard Engel nicht nur wegen seiner Namensähnlichkeit gefallen, sondern auch weil er sich gegen einen „diesseitigen Illusionismus“ gewandt hat. „Nur weil wir es wollen ist es nicht wahrer.“ Das hat auch ein Fünkchen Religion noch dabei.

Was wir besser machen können und jetzt komme ich zu den Wunschvorstellung oder Visionen, ist sicher die Grundeinstellung zur Zukunft: Denn wer die pausenlose Jammerei und die Pessimismus Olympiade mitmacht, stärkt die andere Seite, die von der Hoffnungslosigkeit lebt und Trost spenden will. Mein Freund Joesi Prokopetz sagte einmal, als wir darüber sprachen, dass er einem trostspendenden Priester am Sterbebett sagen würde: „Was, du drohst mit Trost!?“
Der Humanist ist per defintionem in der Wissenschaft und damit in der Wirklichkeit geerdet. Die Zahlen sprechen eine beredte Sprache. Die Armut ist zurückgegangen, auf 10% der Weltbevölkerung, die Kriege und der Terror ist weniger als noch vor 20-30 Jahren. Unbestritten wir hören den Kriegslärm lauter und sehen die Bilder eines Blattschusses auf ein Militärlager des SI beim Abendessen, als wäre es ein Computerspiel.

Aber wir sollten uns nicht beirren lassen. Der Weg ist richtig, aber es gibt weiterhin Arme und verhungernde Kinder auf der Welt. Ja. Trotzdem mehr Optimismus! Freunde, das Gejammer ist kontraproduktiv. Die anderen werden sagen: Da schaut her, wir haben es ja immer schon gesagt, dass die Welt ein Jammertal ist.

Was wir besser machen können ist, zu versuchen in unserer ganzen Kopflastigkeit mehr Narrativität einzubauen. Dafür habe ich jetzt natürlich auch kein Patentrezept. Es ist ein Prozess, der möglicherweise lange dauert und viele Köpfe braucht. Ich weiß nicht ob Schmidt-Salomons Schweinchen eine patente Lösung ist, aber immerhin, es ist ein Anfang.

Eine wahre Geschichte: Ein Künstler kommt nach Venedig und kündigt eine „weltbewegende“ Sensation an. Er würde die Welt versetzen. So dass die Menschen einen neuen Blick auf die Welt bekommen. Viel Journalisten sind versammelt, alles wartet gespannt, wie der Künstler die Welt versetzt. Da nimmt er ein in der Mitte stehendes Podest, wie man es für eine Statue verwendet, und dreht es um. „Ich habe die Welt auf ein Podest gesetzt.“ Und verschwindet.

Davor und danach gab es viele Künstler, wie z.B. der große Baselitz, die die Welt auf den Kopf gestellt haben. Letzten Endes hat dies auch unser aller geistiger Ziehvater Epikur gemacht, deswegen war er ja auch so angefeindet. Das ist ein Narrativ.

Auch im Lehrbuch der Managementlehre steht schon, dass wir von einer Methode, die nicht funktioniert, nicht immer mehr von demselben machen sollten und denken, dass wir selbst schuld sind, sondern die Methode hinterfragen. Also wie sollte man Humanismus erklären? Das wird komplex und intellektuell anspruchsvoll.

Wir sollten lieber probieren, die Welt auf den Kopf zu stellen. Jahrhunderte haben die Priester gepredigt, umzukehren und sich zu bekehren, nicht zu sündigen oder die Sünden zu bereuen etc. etc. All das hat genau nichts bewirkt, außer dass viele Kirchenbeamte einen sicheren Job gehabt haben, während andere darbten oder in den Krieg ziehen mussten. Besser die Welt auf den Kopf stellen und einmal so probieren.
Michael Köhlmeier hat die Bibel verständlich übersetzt. „Geschichten von der Bibel“. Was wir wirklich brauchten, wäre eine Anti Bibel, in der die Geschichten anders ausgehen. Nicht die Bibel, die von der Erlösung spricht, sondern die Bibel, die uns von der Bibel erlöst! In der der Vater Abraham sich nicht fügt und seinen Sohn opfern will um seinen Glauben an Gott zu beweisen, sondern in dem Abraham gegen den Himmel schreit, dass Gott offenbar von Gott verlassen ist, und dass er nie seinen Sohn umbringen wird, dass ein solches Ansinnen also ihn eher vom Glauben abbringt, ja schon hat, ein solcher Gott ist kein Gott sondern nach unserem geltenden Strafgesetzbuch ein Anstifter zum Mord. Eine Bibel, in der der alte Mann in (Ri 19,15-30) nicht seine eigene jungfräuliche Tochter und seine Frau Verbrechern statt seinen Gästen für die Nacht offeriert. Eine Bibel, in der die Ammoniter nicht in die Öfen geschoben werden.

Vielleicht auch eine Bibel, in der die Menschen nicht von den Toten auferstehen, eine fürchterliche Vorstellung! –Die Vorstellung mit meiner Ex-Schwiegermutter in der Ewigkeit vereint zu sein im Angesicht Gottes.

Es sind ja erstaunlicherweise immer die Leute, die das ewige Leben fordern, die an einem trüben Sonntagnachmittag nicht einmal 2 Stunden etwas mit sich anzufangen wissen.
Schöner ist die Vorstellung, eines erfüllten Lebens, für mich eines Leben nach Goethe
„saure Wochen, frohe Feste,
harte Arbeit, abends Gäste, …
Nach der Formel legt man wie Goethe sicher nicht ungern sein Haupt in die Kissen, vielleicht im Kreise der Familie. Die Vorstellung irgendeiner Ewigkeit ist einfach unmenschlich und wenig attraktiv, wie jeden Tag Schnitzel essen.

Die Schönheit eines Gedankens kann überhaupt nur in menschlichen Dimensionen gedacht werden und die sind grundsätzlich anders als die in der Bibel, nämlich ziemlich genau das Gegenteil. Stellen wir die Welt auf den Kopf und wir sind schon da:
Menschsein heißt
– Kreativ zu sein und das Abenteuer ist im Kopf statt Angst vor sündigen Gedanken zu haben (gesündigt in Gedanken Worten und Werken…) Gunkl
– Sich selbst zu retten, statt eine Erlösung anzustreben und dafür auch ausgestattet zu sein
– Fehler machen zu dürfen- Errare humanum est und nicht ein Sünder zu sein, vor allem kein –Erbsünder, die Erbsünde bei Kindern ist nicht nur schlecht erfunden, sondern ein zutiefst unmenschlicher und unbarmherziger Gedanke, also wenn ein Herr Hempelmann er wäre ja auch ein Humanist, dann muss man ihn fragen, ob die Erbsünde damit abgeschafft ist
– Zu kämpfen und wenn wir verlieren, wieder aufzustehen statt „Goschen halten und Hände falten“
– Freude und Glück suchen zu dürfen statt das Leid wie Hiob zu ertragen oder das Leid zu glorifizieren mit Kreuzen überall auch in der Schule.

Wir kommen dann zu einer großen Übersichtlichkeit ja zu einer gewissen Schönheit des humanistischen Gedankens, wegen des großen Einklangs oder Zusammenklangs mit dem was wir als Menschen von uns und von der Natur wissen. Wer z.B. wie ich die Schönheit einer in sich geschlossenen und schlüssigen Theorie wie die der Thermodynamik lernen durfte, kennt das Gefühl der Schönheit eines Gedankens, obwohl der Begriff der Schönheit uns Menschen aus sexuellen Gründen zu einem Begriff geworden ist. (Jared Diamond und a. )
Die monotheistische Welt upside down, also auf den Kopf gestellt, eigentlich endlich aufgestellt, das bedeutet:
1. Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung (Folge dem idealen Menschen Jesu nach!)
2. Bildungsfreundlichkeit statt Bildungsfeindlichkeit (Boko Haram!)
3. Körperfreundlichkeit statt Körperfeindlichkeit
4. Menschenfreundlichkeit statt Stammesdenken
5. Mensch als Teil der Natur statt als Geschöpf Gottes
6. Gesellschaft ist horizontal gestaltet statt vertikal wie der Kölner und der Stephansdom
7. Humor ist Teil unserer Natur statt Ernst und Humorlosigkeit als Lebensprinzip
8. Selbstvertrauen statt Gottvertrauen
9. Endlichkeit statt Unendlichkeit
10. Dynamisches Denken statt statisches Denken
Alle diese Punkte können wir einordnen in unser wissenschaftlich fundiertes, evolutionäres Leben, was A-Humanisten (Ha, jetzt kommt die Retourkutsche! Solange es A-theisten gibt) nicht können. Sie können nicht in den heutigen Erkenntnissen, ja im State-of –the –art-Wissen geerdet sein. Machen wir ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn wir alles Wissen und alle Religionen durch eine Katastrophe und durch Amnesie verlören? Wir hätten nach einer bestimmten überblickbaren Zeit wieder dasselbe Wissen, aber ganz andere Religionen. Ein Zero Budgeting der Wissenschaft wäre ein Rückschritt, aber es würde uns Menschen immer wieder zur gleichen Situation bringen, was die Unwillkürlichkeit beweist. Religionen sind hingegen zufällig und willkürlich oder aus bestimmten kulturellen und gesellschaftlichen Situationen heraus geboren und würden nie wieder zum gleichen Ergebnis führen. Hätte der Kaiser Julian z.B. 363 in der Schlacht von Maranga gegen die Perser mit nur 32 Jahre nicht den Tod gefunden, hätte der Christenfeind länger Zeit gehabt, die konstantinische Wende rückgängig zu machen.

Machen wir nach der Umpolung ein anderes Gedankenexperiment, das der Extrapolation:
Wäre das Christentum, der Islam erfolgreich, was wäre dann? Gottesstaat! Brrrrhh! In einer Multikulturellen und pluralistischen Gesellschaft fehlt den meisten die Einsicht in die Absolutheit der Ansprüche der anderen. Deswegen gibt es a la longue nur diese Möglichkeit des Zusammenlebens. Das haben die Religionen erkannt und sehen sich, wie gestern Hempelmann gemeint hat, auch als Humanisten. Danach sieht es dort, wo Muslime jetzt am Ruder sind, nicht aus. Wie es beim Christentum aussieht, das haben wir in den rund 1000 Jahren gesehen, in denen das Christentum das Sagen hatte. Ich würde sagen, dass die Religionen immer humanistischer werden, es aber nicht wahr haben wollen. In ihrem reichen Schatzkästchen an Aphorismen haben sie natürlich auch da das passende Kleinod parat. Beispiel: Seit ca. 2000 gibt man sich umweltfreundlich. Es heißt jetzt auf einmal: „Die Schöpfung bewahren!“ Bis 2000 hat man sich die Erde untertan gemacht. Sex ist jetzt auf einmal ein Gottgewolltes Geschenk, während man noch vor kurzem die Zeugungswilligkeit als ausschließlichen Türöffner für den Geschlechtsakt gesehen hat.

Das ist eine Gefahr, der wir in Zukunft sicher begegnen müssen. Wir müssen auf unsere humanistischen Wurzeln stolz sein und auf Geschichtsklitterung sehr bestimmt reagieren. Das betrifft auch die Geschichtsklitterung Nr. eins zu: Europa ist auf Christlichen Werten aufgebaut. Wenn jemand sagt er ist Humanist, dann Gegenfrage: Aha, Gott steht nicht mehr im Mittelpunkt aller Überlegungen des Christentums, sondern der Mensch? Ah doch Gott? Na was jetzt?

Den Umkehrschluss kann man aber auch nicht ziehen, dass eine Welt ohne die Religionen automatisch das Paradies auf Erden ist. Wie sieht es beim Humanismus aus? Friede durch Kooperation. Bescheidung, Nicht-Beleidigtsein, Annahme der menschlichen Kränkungen durch die Wahrheit der Natur.

Meine größte Vision ist, dass wir daran arbeiten, herauszufinden, dass Religion zwar unzweifelhaft große unmittelbare Vorteile für den Menschen hat, vor allem individuelle subjektive, dass aber die Gesellschaft enorm leidet unter den Auswirkungen von Religion und da spreche ich nicht von Terror sondern von Relitätsverlust, von hierarchischem und statischem Denken, vor allem von Stammesdenken, von tribal thinking. Und vieles mehr. Unsere Anti-These macht den Humanismus wie wir ihn verstehen zu größten Friedensprojekt der Menscheitsgeschichte. Danke!

Warum ist nur Adnan Oktar und nicht auch der Kardinal wirr?

Kommentar zu dem Artikel „Evolution als Teufelszeugs“ vom 30.5. 17 im Kurier

Sind die Menschen, die gegen Evolution antreten wirr?
Wenn sie ungebildet sind, nicht, sonst sind sie meist religiös. Diese wissenschaftliche Theorie, die unter normalen denkenden Menschen als Tatsache gehandelt wird, als „Teufelszeug“ abzutun wie der türkische Prediger Adnan Oktar es tut, zeigt die gefährliche Seite der Religion: Die Relativierung von Tatsachen. Religion geht von sogenannten Wahrheiten aus, die im Fall des Islam z.B. einem epileptischen Mann in der Wüste vom Erzengel Gabriel in der Nacht im Traum eingesagt wurden.

Diese „Wahrheiten“ müssen im Alltag ernstlich mit den von Wissenschaft und Forschung erkannten Wahrheiten konkurrieren, weil eine Milliarde Menschen angeblich daran „glaubt“, was natürlich erlogen ist, denn die in diese Religion hineingeborenen Kinder befinden sich in der Einbahnstraße Religion und haben später keine Chance, dieser zu entrinnen. Deren religiöse Ablehnung der Evolution sollte daher nicht zählen, aber so einfach ist das nicht. Vielmehr zählt die kulturell eingefärbte Kulisse einer Ignorantenschar fast ebenso viel wie wissenschaftliche Erkenntnisse, die wegen ihrer anspruchsvollen Begründung eine kleineres Auditorium haben, aber eine fundierte Basis an Argumenten. Leider muss man sich die aber mühsam erarbeiten.

Fazit: Die Evolution müsste schon im Kindesalter in entsprechend angepasster Form an die Kinder als Tatsache herangetragen werden, als Wissen State „of the art“ und nicht zuerst die wirren Abstrusitäten, von dem die Kinder erst mühsam wieder losgeeist werden müssen. Es ist ein Verbrechen, Kindern, die evolutionsbedingt in ihrem Alter alles glauben, die Schöpfungsgeschichte als Tatsache oder nur als ernstzunehmende Theorie zu verkaufen. Ebenso könnte man verlangen, die Storchtheorie als gleichwertige Theorie zur Vaginalgeburt zu vermitteln. Man kann ja die religiösen Erzählungen als kulturell überkommene Mythen weitergeben.

Eine Entlarvung der „Wahrheiten“ als Hirngespinste und Mythen einer Volkskultur ist für die Religion toxisch bis letal. Kein Geschäft der Welt ist so auf Naivität aufgebaut wie das Religionsgeschäft und keines ist so profitabel. Es hat ja keinen Wareneinsatz außer ein paar Hostien und die Einkünfte kommen direkt den Epigonen zugute.
Jeder, der weiß, dass die jährliche Verflüssigung des 1700 Jahre alten Blutes des heiligen Gennaio bei der Prozession in Neapel das ganz normale Verhalten eines sogenannten thixotropen Stoffes ist, macht die Vorgaukelei des Wunders und damit die Spendenbereitschaft der Gläubigen zunichte. Daher ist jede Religion auf Kriegsfuß mit Wissenschaft und Bildung, während sie uns evolutionären Humanisten als wertvollstes Gut in unserer Gesellschaft erscheint.

Es drängt sich die Frage auf:
Wie kann man verhindern, dass Tatsachen im Strudel kulturellen Toleranzgehabens langsam wieder zu „Theorien“ verkommen (Schönborn am 29.5.14 in der Wiener Zeitung): „Die Wahrnehmung von Design (früher „intelligent Design“, Anm.), auch wenn dies nicht von der Evolutionstheorie begründet werden kann, ist für mich Evidenz der Vernunft.“ Genau wie Adnan Oktar, der hat auch eine „Wahrnehmung“. Da fällt es auf, dass man bei Schönborn die Aussage mit einem Achselzucken hinnimmt, bei Adnan Oktar ist es „wirre Propaganda“. Oktar ist allerdings auch Türke. Und da ist man einiges gewohnt. Bildungsminister Ismet Yilmaz kündigte die Streichung von Evolutionstheorie aus türkischen Lehrbüchern an.

Daraus erkennen wir, wie wichtig es wäre, dass alle Kinder schon im Vorschulalter und besonders in der Volksschule über die wahre Herkunft des Menschen aufgeklärt werden, sowohl geschichtlich, evolutionsbiologisch und sexuell.
Jedes Kind hat das Recht auf die Wahrheit und auf die beste verfügbare Information.