Kolumne „Wir Ungläubigen“: Falls Sie es noch nicht wissen: Wir haben eine schlimme Zukunft!

In jedem Gemeinwesen, auch in unserem, leben zu 100% Ungläubige. In Bezug auf irgendeinen Gott ist jeder ein Ungläubiger. Daher muss man höllisch aufpassen, dass man Ungläubige nicht als „Verdammte“ bezeichnet oder sie von vorneherein als minderwertig einstuft.

Das passiert derzeit flächendeckend in islamischen Schulen, in denen der Koran gelehrt wird. Das ist aber kein Faux-pas im Islam, sondern im Koran stehen zu mehr als 50% Herabwürdigungen der Ungläubigen. Sogar im Religionslehrbuch für Kinder wird in milderer Übersetzung der Koran-Lehre davon gesprochen, dass die Ungläubigen „eine schlimme Zukunft haben“. Wussten Sie das?

Ich nicht. Nur weil meine Kinder und ich nicht Muslim sind, lasse ich mich nicht gerne verdammen. Von wem auch immer.

Wer andere Menschen systematisch so herabwürdigt, der ist ja jetzt nicht gleich ein Terrorist. Aber diese Einstellung gegenüber Mitmenschen ist der Humusboden für solche Entwicklungen.

Solange diese Gruppe nur ein paar tausend Leute umfasste, konnte man mit der gütigen Hand des Kaiserhauses oder mit der Großzügigkeit des toleranten Bonvivants darüber hinwegsehen. Aber seit die Gruppe der Muslime über 600.000 Mitbürger umfasst, mit einer Wachstumsrate von 80% in Wien und 70% bundesweit, ist das auf der Agenda nicht mehr zwischen „Müllgebühren“ und „Fuzo“ einzureihen. Die maßgeblichen Wiener Politiker haben das noch richtig mitgekriegt, denn einer der ihren ist der Muslimbruder Al-Rawi, dem die Mauer gemacht wird.

Auf welcher Seite stehen die Wiener Sozialisten? Doch nicht auf Seiten der Profi-Verachter?                    Gerhard Engelmayer

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Offener Brief an Fr. Redakteurin Zöchling (Profil)

Sehr geehrte Fr. Zöchling,

Ich habe eine Aktion ins Leben gerufen „Humanismus – jetzt!“. Dabei wird der „Dritte Weg“ propagiert: Weder Islam-Umarmung, noch die Xenophobie-Schiene der Rechten, sondern Basis-Respekt für alle und sachliche Auseinandersetzung mit faschistischem, ausgrenzendem Gedankengut (siehe Hamed Abdel Samad), sei es von links oder von einer Religion oder von sonst wo.

Es tut gut, dass sich jemand sachlich mit der Thematik befasst wie Sie es tun. Ich habe Ihren Auftritt im „Zentrum“ großartig gefunden. Ich hoffe Sie bleiben dran und befördern die Debatte.

Bisher sind unsere Erfahrungen allerdings wenig ermutigend. Obwohl es in der Öffentlichkeit brodelt und sich Angst und Unsicherheit verbreitet, durfte bisher nicht darüber gesprochen werden. Jeder Kritiker wurde mit der Islamophobie-Keule sofort niedergemacht. Obwohl es in Österreich eine klare Gesetzgebung wegen Wiederbetätigung gibt, ist eine Regelung wegen „Neubetätigung“ nicht in Gang zu bringen, obwohl von dieser Seite brutalste antisemitische Hetze kommt.

Wie Sie im „Zentrum“ richtig gesagt haben, wurde schon so viel versäumt, dass es gilt, wenigstens jetzt etwas zu tun. Dabei wird immer wieder die sogenannte Zivilgesellschaft beschworen. Wenn man dann etwas tut, wird man abgewürgt. Logischerweise ist alles, was man hier tut, auch ein Angriff gegen eine Religion, und genau das ist a priori verboten.

Das geht so weit, dass ein Atheist wie der Wiener Abgeordnete der Grünen Margulies im Wiener Landtag behauptet, dass „das Ganze mit Religion überhaupt nichts zu tun hat“. Kein Wunder, dass man auf diese Weise blind in den Abgrund rennt.

Das Volk hat seinerseits bereits eine Antwort gegeben, denn mit der Präzision einer physikalischen Formel zerfällt der sogenannte „Glaube“, der für das meiste irrationale Geschehen in unserer Gesellschaft verantwortlich ist. 43% sind „ungläubig“, weitere 10% bezeichnen sich sogar dezidiert als „atheistisch“.

Dennoch gibt es keine Möglichkeit, dieser Mehrheit an Menschen eine Stimme zu geben, es kommt keine Lobby zustande. Jede Mini-Religion bläst sich stärker auf und wird vom ORF stärker berücksichtigt als die Masse der „Aufgeklärten“, obwohl dieser Staat, wie die meisten europäischen, von solchen „Aufgeklärten“, von Säkularisten erdacht wurde.

Während alle Religionen Hunderte Millionen bekommen, um ihre Irrationalitäten weiter zu propagieren, die mehr oder weniger alle auf dem Prinzip „Wir sind auserkoren, die anderen sind verdammt“ basieren, hat der Staat für „seine“ Säkularisten kein Cent übrig, ja wir bekommen in den meisten Fällen nicht einmal eine Antwort von offiziellen Stellen. Alle Parteien schlagen sich auf die Seite der laut fordernden und sich einig gebenden Religionen, währen die leisen Säkularisten –mittlerweile die Mehrheit des Volkes – zu Obskuranten und Schrullen abgestempelt werden.

Solange es auch keine Unterstützung für Weltanschauungen ähnlich wie für Religionen gibt, besteht auch gar keine Druck in diese Richtung, denn das Bekennen zur „Weltlichen Religion“ hat keinen finanziellen Effekt. In Norwegen ist dies bereits anders. Dementsprechend gibt es dort auch schon eine riesige humanistische Gemeinde, der auch ein entsprechendes Gehör geschenkt wird.

Auf diese Art wird das Thema Islam zwei völlig Inkompetenten überlassen: Den „Islam-Kuschlern“, die aus falschem Toleranzverständnis und einer gewissen „Xenophobie-Sorge“ sogar den Hardcore Muslimen die Mauer machen (wie dem Muslimbruder Al-Rawi im Wiener Landtag) auf der einen Seite. Auf der anderen Seite propagieren die Rechten mit verblödeten Ansätzen wie „Lieber daham statt Islam!“ eine „Ausländer raus!“ Politik, die nichts Anderes bewirkt, als das Terrain zu verwüsten (wie Sie völlig richtig bemerkten) und jede vernünftige Lösung zu vereiteln.

Die Lösung kann nur ein „dritter Weg“ sein, der des Allgemeinen Basis-Respektes (siehe mein Blog engelamyer.wordpress.com), mit anschließender intensiver sachlicher Auseinandersetzung. Dieser Weg ist versperrt, solange

  • Religionen einen a priori Respekt einfordern (totes Recht Blasphemieparagraph ), was jegliche sachliche Diskussion verhindert und
  • Nicht-Religionen einen ungleichen Kampf ausfechten gegen Religionen, die laut sein dürfen, unterstützt werden und einen Absolutheitsanspruch aufrechterhalten dürfen, obwohl sie gelegentlich gegen Grundgesetze verstoßen.

Respekt verdienen in unseren Augen einzig und allein Menschen. Deren Ansichten müssen aber diskutabel bleiben und gegebenenfalls falsifiziert werden dürfen. Respekt verdienen die religiösen Ansichten dieser Leute „im gleichen Maß, wie ihre Ansicht, dass ihre Frauen schön und ihre Kinder intelligent sind“ (R. Dawkins).

Was wir benötigen würden, ist wenigsten die Unterstützung von einer Zeitung oder eines Magazins, das mit uns eine Art Diskussionsreihe („Humanistische Debatte“) veranstaltet, was in eine Art „Humanistische Akademie“ münden könnte. Wir haben in unserem Beirat die tollsten Wissenschaftler, die dieser Debatte Flair verleihen könnten. Wir benötigen nur die Werbung, die Veranstaltung würde auf unsere Kosten gehen.

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Engelmayer