Artikel in der Presse v. G. Walterskirchen

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http://diepresse.com/home/meinung/quergeschrieben/walterskirchen/3873329/Wieso-wegen-des-Islamismus-die-Religion-an-sich-infrage-stellen
Der Artikel in der Presse s.u.  ist der bisherige Höhepunkt anti-atheistischer Hetzte und gleichzeitig ein journalistischer Tiefpunkt.
Etwas Verwirrteres habe ich kaum noch gelesen, garniert mit einem Potpourri von alten und neuen Lügen.
Das kann man einfach nicht stehen lassen und außerdem besteht die Gefahr, dass sich so ein Unsinn in der Bevölkerung verfestigt.
Eine kleine unvollständige Zusammenstellung an Unrichtigkeiten habe ich im Anhang :Reaktionen auf walterskirchen

Hier ergäbe sich die Möglichkeit einer Vernetzung von freidenkerischen, atheistischen und skeptisch-kritischen Kräften in Österreich, indem möglichst viele dorthin schreiben. (Service: „leserbriefe@diepresse.com“ <leserbriefe@diepresse.com>oder Bischof Burkhard <Burkhard.Bischof@diepresse.com>)
MMn. ist dies ein typischer Fall von „umgekehrter Blasphemie“, also die Verletzung von atheistischen und humanistischen Gefühlen, wenn es diesen Strafbestand gäbe. Niemand lässt sich gerne in die Nähe von Nazischergen rücken, nur weil er/sie an keinen Gott glaubt! Etwas Irrwitzigeres muss erst erfunden werden.

Der Kern der Sache ist aber ebenso lächerlich wie falsch: Der Religion einen Persilschein ausstellen zu wollen, angesichts von unfassbaren Greueltaten jeden Tag im Namen von Allah, und das wie in der Presse seit Taschner üblich, unter dem Mäntelchen der „Wissenschaft“, das kann man nicht hinnehmen.
(Schon Taschner, der „Wissenschaftler des Jahres 2003“,  hat vor rund 2 Jahren Ähnliches behauptet, nämlich dass das Christentum mit seiner „Nächstenliebe“ erheblichen Anteil an der Aufklärung hatte. Gegen solche „Wissenschaft“ müssten in Österreich alle Menschen, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen, vor allem aber alle Wissenschaftler, wehren. )

Klar ist, dass religiöse Menschen nicht pauschal als Verbrecher zu brandmarken sind, aber dafür haben wir die Fr. Gudula W. nicht gebraucht. Der Hausverstand legt jedoch nahe, dass Religionen  gelegentlich dazu neigen, nach Gutdünken Lizenzen zum Töten, zu Vergewaltigung und  zu Genozid auszustellen, wie figura zeigt. Das, liebe Freunde, hat sehr wohl mit Religion zu tun, zumindest im Islam, dessen  „Betriebsanleitung“ zu rund 60% aus Verachtung von Menschen (Anders- oder Ungläubige) besteht. Das ist nach wie vor gültiges Glaubensgut und der Boden, auf dem auch die derzeitigen Kriege und Massenvertreibungen entstehen. Dagegen hält der Humanismus jede pauschale a priori Verachtung von Menschen für archaisch und inakzeptabel.

Daneben gibt es im Detail eine Reihe anderer Punkte, die man aufgreifen kann:
– Warum die Kreuzzüge als Uralt-Argument nichts mehr taugen, leuchtet mir nicht ein, vor allem weil – wie bei Deschner zu lesen ist – im 20 Jh. mehr Leute dem katholischen Terror zum Opfer gefallen sind, denn je zuvor.
„Die Gleichsetzung mit dem Islamismus ist völlig unzulässig“ – wird durch ein Zitat von Erdogan widerlegt. Sinngemäß: „Wer Islam und Islamismus trennt ist ein Feind des Islam!“
– Larmoyant wird das Vorhaben, den Gruß „Grüß Gott“ abzuschaffen, als radikal bezeichnet! Was für ein Terror Akt! Na so was? (Dessen rühme ich mich gerne! Siehe engelmayer.wordpress.com) Die Diskussion darüber kommt allerdings sehr gelegen.
– Etwa 100 Mio Christen werden verfolgt. Das ist wirklich schlimm! Aber bitte auch dazu sagen: Zu 100 Mio atheistischen Arabern ist es gar nicht gekommen, weil sie schon vorher umgebracht wurden.
– Wir arbeiten derzeit bei der Europäischen Humanistischen Föderation an einem Säkularitäts-Index aller Länder. Dabei wird herauskommen, dass Wohlstand und Menschlichkeit eine Funkition der Säkularität eines jeden Landes ist und Säkularität (Österreich: „Was ist das?“) einer der wichtigsten Werte moderner Gesellschaften ist, auf dem Weg zu Prosperität. ( Top: Norden und Westen Europas, Bottom: alle staatsreligiösen und religiös-staatlichen Länder wie Nord-Korea) . Das Christentum hat stets am Papier Säkularität begrüßt, aber mit allen Mitteln gegen die Säkularität in der Praxis gearbeitet, wie dies auch hier in Österreich nach wie vor der Fall ist (Stichwort : Konkordat)
„Das Christentum hat in einem schmerzlichen Lernprozess die Lektion gelernt, dass die Verbindung von Staatsmacht und Religion letztlich zulasten der Religion geht und gefährlich ist.“ Larmoyanter Blödsinn und Umkehrung tatsächlicher Verhältnisse.
„Zur Gründungsidee des Christentums gehört die Trennung von Politik, Staat und Religion, also die Aufwertung des Säkularen.“ Disqualifiziert jede Geschichtsstudentin im ersten Semester.
„Der Radikalismus sollte uns auch nicht dazu verführen, den Islam und gläubige Moslems pauschal abzulehnen.“ Unlogische und unzulässige Gleichsetzung! Man kann sehr wohl den Islam als totalitäre Herrschaftsideologie ablehnen und die Moslems, die ja nicht freiwillig zum Islam gekommen oder dabei geblieben sind, wertschätzen.
– „
Und es ist notwendig, in der westlichen Welt nicht zuzulassen, dass bestimmte Prinzipien und Werte relativiert werden, wie etwa die Trennung von Religion und Staatsmacht, die Respektierung des demokratischen Rechtsstaats, die Akzeptanz der Gesellschaftsordnung des Gastlandes sowie Respekt und Toleranz für Anders- oder Nichtgläubige.“  Verträgt sich nicht mit dem vorhergesagten – Einfach unlogisch, vor allem, wenn man Abdel- Samad zitiert, der gerade sagt, dass Islam keine Trennung von Religion und Staatsmacht akzeptiert und totalitär ist.
„Es ist jedoch nicht akzeptabel, wenn Gläubige aller Religionen diskreditiert werden, die sich um ein Leben im Dienst am Nächsten bemühen.“  Die wenigsten Gläubigen glauben das heute noch wirklich, was da gepredigt wird. Laut der  2010 Harvard/Wisconsin Studie ist die erste Priorität in die Kirche zu gehen, dort Anschluss zu finden. Pauschal alle Gläubigen zu Samaritern zu machen, ist glatter Unfug und diskreditiert die vielen Ungläubigen, die im Dienst am Nächsten stehen.
– „Im Gegenteil: Es ist hoch an der Zeit, sich über den Stellenwert der Religionen und deren Bedeutung für die Kultur und Zukunft der westlichen Welt Gedanken zu machen.“ Das kann man unterschreiben, allerdings nur wenn in Österre4ich endlich auch einmal kirchenkritische Kommentatoren zu Wort kämen. Derzeit herrscht so etwas wie ein Maulkorberlass im ORF und in anderen Medien vorauseilender Gehorsam.

Der einzige richtige Satz, den man voll unterschreiben kann, ist:
Wir wissen auch zu wenig vom Islam, um die Bedrohung wirklich einschätzen zu können.
Dann sollte man aber auch danach handeln und einfach den Mund halten.

Der Artikel verdient eine Entgegnungsflut.

Wiener Erklärung (Version 15.5.14)

Die Wiener Erklärung ist die Zusammenfassung einer Rede anlässlich des Islam–Symposions an der Universität Wien am 30.4.2014.

In vielen Religionen, totalitären Ideologien und in vom Stammesdenken geleiteten Gruppierungen, besonders in den fundamentalistisch eingestellten Teilen des Islam und des Christentums, werden Ungläubige und Andersdenkende, sowie alle Menschen außerhalb der eigenen Gruppe systematisch verachtet, wie in den Büchern vorgeschrieben.

Diese systemrelevante Herabwürdigung kann von der aufgeklärten Gesellschaft nicht hingenommen werden. Zu dieser zählen in erster Linie alle Ungläubigen und Andersdenkende, vor allem aber alle Menschen, denen die Werte der Aufklärung, wie Menschenrechte, Gleichberechtigung, Rechtssicherheit und Demokratie, so wie rationales, evidenzbasiertes Denken, als Mittel der Konfliktvermeidung unter allen Menschen guten Willens, unverzichtbar geworden sind.

Niemand sollte einen Grund haben, andere Menschen a priori zu verachten, auch Religion darf kein Grund sein, selbst wenn dies in heiligen Büchern steht. Humanistisch denkende Menschen fühlen sich nicht als Teil eines Stammes mit ausgrenzendem Stammesdenken, sondern als evolutionäre Verwandte im humanen Weltverbund.

Dies sollten alle humanistisch denkenden Menschen auch klar zum Ausdruck bringen und damit eine Vorleistung zu Respekt und gegenseitige Achtung erbringen gegenüber jenen Menschen, denen eine Lehre oder Religion gebietet, andere Menschen zu verachten. Sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum Frieden auf der Welt.

Dieser Beitrag sollte durch einen neuen Gruß manifestiert werden, der bekundet, dass wir niemanden verachten, auch nicht die erwähnten Leute, die uns verachten, im Gegenteil, wir bekunden die grundsätzliche Achtung des anderen, indem wir sie mit „Ich achte Sie/Dich!“ grüßen.

Damit sei auch gleichzeitig klargestellt, dass wir Humanisten uns nicht an der Teufelsspirale der xenophoben Ausgrenzung und Abwertung beteiligen. Aber gleichzeitig ist eine prinzipielle Gesprächsplattform geschaffen, die den Basis-Respekt und eine Verständigung unter den Menschen fördern soll. Nach der Etablierung des Basis-Respektes kann man besser und schadloser Dissens klarstellen und Konsens suchen.

Das Ziel sind Basis-Respekt und neues humanistisches Gemeinschaftsgefühl unter allen Menschen.