Kirchenkritik unerwünscht

Kommentar /Replik zu dem Artikel Rudolf Taschner  „Quergeschrieben“ vom 1.12. 2016 in der „Presse“

Diese Replik wurde wenige Tage nach Taschners Artikel eingesandt. Eine Veröffentlichung wurde in Aussicht gestellt. Offenbar war der Artikel aber einigen doch nicht recht. 

Taschner hat Niko Alm und mich als „Schattenboxer“ bezeichnet, deren  „kirchenfeindliche Appelle“…„bestenfalls Clownerien“ sind.

Wenn Kritik geübt wird, sind alle Apologeten zunächst einmal beleidigt. („Kirchenfeindliche Appelle!“) Unsere Religionskritik bezieht sich aber auf klar nachvollziehbare Argumentationen, wie z.B. zum Ethikunterricht.  Kinder sollen genauso wenig Religionsunterricht erhalten, wie sie keinen ÖVP- oder keinen SPÖ-Unterricht erhalten, sondern Unterricht in „Politische Bildung“. Rationale Argumente sollten überall gelten. Genau das fehlt in Österreich. Und jetzt haben wir noch einen Mathematiker gebraucht, der, statt Rationalität zu verordnen, Religionskritik lächerlich macht. Zum „Schattenboxer“ wird man eher, wenn man feuilletonistische Effekthascherei wissenschaftlicher Redlichkeit vorzieht. Die von Taschner gnädig verteidigte Aufklärung begann mit Leuten, die für andere Verräter, Apostaten oder Clowns waren, jedenfalls nicht mit konservativen, angepassten Mathematiklehrern. Jeder Fortschritt begann mit Häresie.

Wie wichtig Religionskritik ist, erfahren wir erst jetzt wieder, da die Gefahren des Islam schlagend und oft von Apologeten weichgespült werden. Religionskritiker kommen kaum zu Wort. Dabei ist gerade bei der Religion Skepsis angebracht, angesichts der Geschichte und der religiös dominierten Länder dieser Welt. Das Ergebnis ist ein Monopol oft unsachlicher Islam-Kritik im menschenfeindlichen FPÖ-Reservat.

Auch wenn man es noch hundertmal behauptet – es wird nicht wahrer, dass die „Aufklärung aus der christlichen Tradition zu schöpfen vermochte“. Eine glatte Geschichtsklitterung! Da wurde gar nichts geschöpft, sondern höchstens geköpft. Die Aufklärung ist gegen den erbitterten Widerstand der Kirche durchgesetzt worden, dafür gibt es hunderte Beweise, u.a. den „Antimodernisten-Eid“, den beide heute noch lebenden Päpste vermutlich geschworen haben. Die gefühlte Wahrheit ist abhängig vom Mediengewicht, d.i. etwa 1000:1 zugunsten der Kirche. Für Kirchenkritiker ist in Absurdistan und im ORF die Religionsabteilung verantwortlich. Die Kirchenzeitung ist heute überall. Einzig der „Presse“ muss man Pluralismus attestieren. Clownesk ist höchstens ein Boulevard mit Predigten, Society-Dompfarrern und Wissenschaftlern, die erzreaktionäre, brachial-katholische Autoren wie M. Matussek als Geschenk empfehlen.

Niavarani in einem Interview: „Europa ist nicht den christlichen Werten verpflichtet, sondern der Aufklärung.“ Was fehlt, ist das Bekenntnis zu Humanismus und Aufklärung. Was fehlt, sind mehr Niavaranis. Die Kluft zwischen den realen Einstellungen der Bürger (>50% Nichtreligiöse) und den politischen und medialen Gegebenheiten wird immer größer. So bleibt das Land statisch denkend, reformunfähig, rückwärtsgewandt, naturwissenschaftsfeindlich (vorletzter Platz in Europa), gesellschaftlich unterentwickelt (Sterbedebatte), autoritätshörig buckelnd und finanziell ausgebeutet durch Milliardensubventionen jedes Jahr für die Kirche.

Erst gestern hat der Jugendforscher Heinzlmaier in Ö1 bekräftigt, dass er es unverantwortlich findet, Kinder religiösen Neurotikern auszuliefern. Religiöse Traditionen sind fein, nicht aber religiöse Fundamente, die uns die Zukunft verbauen, wie z.B. die Verhinderung des Ethikunterrichts für alle.

Gerhard Engelmayer

Freidenker feiern Tag der Menschenrechte

Erklärung des Freidenkerbundes zum Tag der Menschenrechte:

Die Menschenrechte wurden vor rund 200 Jahren von Freidenkern entwickelt (u.a. La Fayette, Jefferson, Paine und Kant) und von den Vereinten Nationen 1948 im Artikel 217A festgelegt. Für uns Freidenker sollte dieser Tag  der höchste Feiertag des Jahres sein. Während viele der religiösen Feste völlig an Bedeutung verlieren, ja nicht einmal gewusst wird, was an diesem Tag gefeiert wird, sollte der Menschrechts-Tag gefeiert werden wie kein anderer. Die Menschenrechte sind nach unserer Meinung die größte gesellschaftliche Errungenschaft der Menschheit überhaupt. Europa sollte auf seine Entwicklung stolz sein und versuchen,  diesen Beitrag weiter zu entwickeln und in alle Welt zu exportieren.

Es müssten alle gesellschaftlichen Kräfte daran arbeiten, diesen Tag entsprechend zu würdigen, Feiern abzuhalten und den Kindern die Bedeutung der Menschenrechte näher zu bringen.