Warum ist nur Adnan Oktar und nicht auch der Kardinal wirr?

Kommentar zu dem Artikel „Evolution als Teufelszeugs“ vom 30.5. 17 im Kurier

Sind die Menschen, die gegen Evolution antreten wirr?
Wenn sie ungebildet sind, nicht, sonst sind sie meist religiös. Diese wissenschaftliche Theorie, die unter normalen denkenden Menschen als Tatsache gehandelt wird, als „Teufelszeug“ abzutun wie der türkische Prediger Adnan Oktar es tut, zeigt die gefährliche Seite der Religion: Die Relativierung von Tatsachen. Religion geht von sogenannten Wahrheiten aus, die im Fall des Islam z.B. einem epileptischen Mann in der Wüste vom Erzengel Gabriel in der Nacht im Traum eingesagt wurden.

Diese „Wahrheiten“ müssen im Alltag ernstlich mit den von Wissenschaft und Forschung erkannten Wahrheiten konkurrieren, weil eine Milliarde Menschen angeblich daran „glaubt“, was natürlich erlogen ist, denn die in diese Religion hineingeborenen Kinder befinden sich in der Einbahnstraße Religion und haben später keine Chance, dieser zu entrinnen. Deren religiöse Ablehnung der Evolution sollte daher nicht zählen, aber so einfach ist das nicht. Vielmehr zählt die kulturell eingefärbte Kulisse einer Ignorantenschar fast ebenso viel wie wissenschaftliche Erkenntnisse, die wegen ihrer anspruchsvollen Begründung eine kleineres Auditorium haben, aber eine fundierte Basis an Argumenten. Leider muss man sich die aber mühsam erarbeiten.

Fazit: Die Evolution müsste schon im Kindesalter in entsprechend angepasster Form an die Kinder als Tatsache herangetragen werden, als Wissen State „of the art“ und nicht zuerst die wirren Abstrusitäten, von dem die Kinder erst mühsam wieder losgeeist werden müssen. Es ist ein Verbrechen, Kindern, die evolutionsbedingt in ihrem Alter alles glauben, die Schöpfungsgeschichte als Tatsache oder nur als ernstzunehmende Theorie zu verkaufen. Ebenso könnte man verlangen, die Storchtheorie als gleichwertige Theorie zur Vaginalgeburt zu vermitteln. Man kann ja die religiösen Erzählungen als kulturell überkommene Mythen weitergeben.

Eine Entlarvung der „Wahrheiten“ als Hirngespinste und Mythen einer Volkskultur ist für die Religion toxisch bis letal. Kein Geschäft der Welt ist so auf Naivität aufgebaut wie das Religionsgeschäft und keines ist so profitabel. Es hat ja keinen Wareneinsatz außer ein paar Hostien und die Einkünfte kommen direkt den Epigonen zugute.
Jeder, der weiß, dass die jährliche Verflüssigung des 1700 Jahre alten Blutes des heiligen Gennaio bei der Prozession in Neapel das ganz normale Verhalten eines sogenannten thixotropen Stoffes ist, macht die Vorgaukelei des Wunders und damit die Spendenbereitschaft der Gläubigen zunichte. Daher ist jede Religion auf Kriegsfuß mit Wissenschaft und Bildung, während sie uns evolutionären Humanisten als wertvollstes Gut in unserer Gesellschaft erscheint.

Es drängt sich die Frage auf:
Wie kann man verhindern, dass Tatsachen im Strudel kulturellen Toleranzgehabens langsam wieder zu „Theorien“ verkommen (Schönborn am 29.5.14 in der Wiener Zeitung): „Die Wahrnehmung von Design (früher „intelligent Design“, Anm.), auch wenn dies nicht von der Evolutionstheorie begründet werden kann, ist für mich Evidenz der Vernunft.“ Genau wie Adnan Oktar, der hat auch eine „Wahrnehmung“. Da fällt es auf, dass man bei Schönborn die Aussage mit einem Achselzucken hinnimmt, bei Adnan Oktar ist es „wirre Propaganda“. Oktar ist allerdings auch Türke. Und da ist man einiges gewohnt. Bildungsminister Ismet Yilmaz kündigte die Streichung von Evolutionstheorie aus türkischen Lehrbüchern an.

Daraus erkennen wir, wie wichtig es wäre, dass alle Kinder schon im Vorschulalter und besonders in der Volksschule über die wahre Herkunft des Menschen aufgeklärt werden, sowohl geschichtlich, evolutionsbiologisch und sexuell.
Jedes Kind hat das Recht auf die Wahrheit und auf die beste verfügbare Information.