Geschlechtsneutrale Erziehung ? Religionsneutrale Erziehung liegt näher!

Gastkommentar zu Artikel „Wo auch Buben mit Barbies spielen“ Kurier vom 10.7.18

Grundsätzlich muss man den Anhängern der geschlechtsneutralen Erziehung edle Motive zubilligen. Aber ist das wirklich die Priorität Nr. 1 bei der Erziehung von Kindern? Ist es ein vernünftiges Ziel, Buben zu sanftmütigen Puppenspielern zu erziehen und Mädchen zu Technikfreaks? Steht dahinter nicht eher der vernünftige Versuch, sich Kinder selbst entwickeln zu lassen, nach ihren Begabungen und Neigungen? Muss man dann nicht akzeptieren, was dabei herauskommt und sich über die vielleicht überraschenden Entwicklungen freuen?
Das ist eine erfreuliche Entwicklung! Nur die Prioritäten sind schlicht verrückt. Denn dass ein Kind nun mal ein Bub oder ein Mädchen ist, hat die Natur so vorgegeben, man muss es nicht verstärken, aber auch nicht verleugnen.

Anders verhält es ich bei nicht naturgegebenen, sondern kulturgegebenen Faktoren wie Religion und Ideologie. Da scheut sich offenbar niemand, das Klischee zu vervielfältigen und im Dienste einer Fernmacht das Kindsein für kindferne Zwecke zu missbrauchen. Was da in das Hirn eines Kindes eingeprägt wird, ist ein ganzes Leben lang vorgefertigte Ideologielast, die die Entwicklung des Kindes sehr oft behindert und durch die sich das Kind erst freischaufeln muss. Es gibt keine katholischen, evangelischen oder muslimische Kinder, sondern nur Kinder, die Kinder sein möchten, die Welt erfahren und staunen lernen möchten. Es gibt Kinder, die mit anderen spielen möchten, die sich als Persönlichkeit entdecken möchten und nicht als Gegner oder Feinde im Sinne anderer Religionsanhänger, wie dies bei der Einschulung der Fall ist, wo die Kinder verschiedenen Glaubens in verschiedene Ecken gestellt werden.

Da ist es doch viel wichtiger, aufgesetzte Religionsklischees zu vermeiden, eher als natürliche Genderklischees, denn das Geschlecht steht fest, die Religion nicht. Wie die Praxis zeigt, entscheiden sich ein Großteil der Kinder anders, wenn sie erwachsen sind und verlassen die Kirche der Eltern, wenn sie frei sind. Eine meiner Töchter, die nicht getauft war, hat sich mit 14 entschieden, sich taufen zu lassen. Der Priester hatte Tränen in den Augen, weil er das zum ersten Mal erlebte, dass sich ein junger Mensch freiwillig, mit klarem Verstand und nicht unter dem Zwang der Eltern zum Eintritt in die Kirche entschied. Das wäre ja auch eine ganz andere Kirche, die aus Nicht-Zwangsgetauften, freiwillig-echten Gläubigen bestünde und nicht aus Taufschein-Christen und heuchlerischen Mitläufern.

Viel wichtiger ist, die Rahmenbedingungen festzulegen, das sind zivilisatorische und humanistische Erziehungsziele, innerhalb derer sich die Kinder entwickeln. Die Kinder müssen in der Tat die Menschenrechte, die Spielregeln der Gesellschaft und die grundlegenden Werte wie Meinungsfreiheit, die sich die Gesellschaft nach der Aufklärung erkämpft hat, kennen. Sie sollten auch angenehme, aber kritische  Zeitgenossen sein, denn nur dann werden sie wertvolle Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft sein, die nicht jedem Populisten auf den Leim gehen.  Schön, wenn die Kinder genderneutral aufwachsen, aber da gibt es eine ganze Reihe von anderen Prioritäten, vor allem das Menschenrecht auf Religionsfreiheit der Kinder (AEM 18) anzuerkennen.

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