Gastkommentar der Säkularen Humanisten, Replik zum Kommentar des Dompfarrer Fabers im Kurier vom 4.3. 2018

Vorab: Meine Kritik richtet sich nicht gegen den von mir geschätzten Dompfarrer Faber, es richtet sich gegen das System „Zeitungspredigt“. Gegen Artikel wie diesem, die in sich das Risiko einer schleichenden Gefahr bergen, jedoch als putzig und lieb daherkommen, wie im Faber-Artikel.
Er erzählt eine Zwangsrekrutierung von Kindern für die Beichte im Stile Rosamunde Pilchers als Eingang in ein wärmendes Paradies, eine Sternstunde heuchlerischer Verkaufstätigkeit für ein Himmelsabonnement. Denn einem 7-Jährigen muss man erst seine „Schuld“ einbleuen, um ihm die Befreiung von seinen Sünden „schenken“ zu dürfen. Man kann es nämlich auch so sehen: Hier wird geistiger Gleichschritt in Richtung Selbsterniedrigung und Schuldhaftigkeit trainiert, was der Kirche, aber auch dem Staat so Recht ist. Das Gegenteil dessen, was der moderne Staat braucht: Selbstbestimmte Eigendenker. Ich erinnere mich noch selbst an dieses Ereignis in meiner Schulzeit, das mich psychisch belastet hat, denn ich wusste nicht, was beichten, um dem für mich sicheren Weg in die ewige Verdammnis zu entgehen. So beichtete ich in meiner Not, dass ich ein halbes Schulbrot weggeworfen habe. Falls jemand kein Jausenbrot vernichtet hat, hat die Kirche die patente Erbsünde parat, die alle in die Pfanne haut, auch Kleinkinder. Hauptsache schuldig!

Das soziodemografische Ergebnis ist eine Gesellschaft von Duckmäusern und Heuchlern, von Verantwortungslosen. Sünde kann man loswerden, Verantwortung nicht. Wir brauchen in der Demokratie verantwortungsbewusste Menschen.
Religion ist OK., nicht aber da, wo Pluralismus gelebt werden soll, nicht im Staat, nicht in Schulen und Kindergärten, nicht kritiklos. Schon gar nicht in der Zeitung, die dem Pluralismus verpflichtet ist. Da müssen wir über Religion berichten und nicht predigen. Denn Predigten dulden keinen Widerspruch. Kritik ist unstatthaft, vielfach auch aus vorauseilendem Gehorsam. Partial-Nord-Korea. Reste der repressiven Gegenreformation und des Ständestaates. In Gottes-Staaten bejubeln wir Säkularisten (Türkei), bei uns werden sie mundtot gemacht, auch wenn sie lebenswichtige Kritik üben (muslimische und konfessionelle Kindergärten). Es gäbe eine lange Liste von gerechter Kritik an kirchlichen Praktiken, die nie diskutiert werden (Ich nenne nur an die unverständliche Subventionierung von Kirchenbeitragszahlern mit 120 Mio €.!), auch nicht im Kurier, der mittlerweile eine Speerspitze der unabhängigen Zeitungen in Österreich bildet. Nie darf Kirche echt kritisiert werden, kein Rechnungshof hat da etwas verloren. Der Kardinal hat ein „Bornophon“, das ihm jederzeit zur Prime-Time eine Stimme verleiht. Das per se ist harmlos, als Dauereinrichtung führt es mit anderen Personen wie derzeit zu polnischen und türkischen Zuständen. So sicher wie das Amen im Gebet.

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