Modell eines modernen Staates – Luxemburg trennt Staat und Kirche

Weniger Staatszuschüsse, kein Religionsunterricht mehr und neue Besitzverhältnisse der Kirchen: Luxemburgs Regierung hat die Entflechtung der Staat-Kirche-Beziehung abgeschlossen.

Die Scheidung zwischen Kirche und Staat ist in Luxemburg nicht einfacher als anderswo. Denn Luxemburg ist traditionell erzkatholisch und die Verflechtungen mit Kirche und kirchennahen Einrichtungen, wie das mächtige Syndikat der Kirchenfabriken Syfel, waren und sind erheblich.

Wenn man eine Sekunde in Zukunft denkt und die gegenwärtige Abnahme der Kirchenmitglieder in die Zukunft extrapoliert, womöglich mit einer beschleunigten Dynamik, dann kommt einmal der Punkt, an dem man sich fragen muss: Was passiert mit den Milliarden-Subventionen, was passiert mit den tausenden Immobilien, die keiner mehr braucht, was passiert mit dem Religionsunterricht?

Und es bleiben viele andere Fragen offen, wie z.B. die generelle Frage nach den Besitzverhältnissen der Kirche. Sind die enormen Güter Besitz der röm.-kath. Kirche, also des Vatikans, der Gläubigen oder sind sie  fragmentiert nach Pfarren. Oder sind sie nicht von unseren Vorfahren bezahlt und errichtet worden? Möglicherweise oder sogar sicher unter Zwang und gegen ihren Willen? Summa summarum, was passiert, wenn die natürliche Entwicklung der Säkularisierung ihren Weg geht?

Dem säkularen Denker ist klar, dass der Weg vorgezeichnet ist und dass es kein Entrinnen gibt. Wem das als politischen Christen noch nicht klar ist, der sehe nach Luxemburg. Da ist schon Realität, was bei uns noch undenkbar ist: Der Religionsunterricht ist abgeschafft und  anstatt Heiligenbildchen zu malen und Glaubenssätze als Wahrheiten zu präsentieren, gibt es das neue Fach „Leben und Gesellschaft“, in aufgeklärten Kreisen die einzige sinnvolle Alternative zum Religionsunterricht in einer pluralistischen und polyreligiösen Gesellschaft.

Alle diese Fragen sind so selbstverständlich, dass es nur wundern kann, dass sie in der Öffentlichkeit nie gestellt werden. Es scheint ein Stillhalteabkommen in den Medien zu geben, keine kirchenkritischen Fragen zuzulassen. Im ORF hat man dies teilweise schon zugegeben. Während es normal ist, die kleinsten Verfehlungen eines Politikers zu Recht zu kritisieren und anzuprangern, ist die Kirche nach wie vor sakrosankt, obwohl sie Teil unserer Gesellschaft ist und von ihr weitgehend finanziert wird. Wie aber kann sich die Gesellschaft weiterentwickeln, wenn grundlegende Fragen nicht gestellt werden dürfen?

Während um Studiengebühren Monate und Jahre lang heftig gestritten wird, die läppische 120 Mio.€ ausmachen, werden oft sinnlosen Milliardenausgaben der Kirche schlicht und einfach unter den Tisch gekehrt. Die schrumpfende Kirche hat ein steigendes Budget. Wie geht das zusammen? Zumindest Fragen müssten zugelassen sein. Auf Dauer kann man eine solche Situation nicht dulden. Die Reife eines demokratischen Systems wird genau an solchen Parametern gemessen.

Die Österreicher sind bereits viel weiter. In diversen Umfragen liegen die Werte bei über 50% für die Gottfernen (Gallup ´12, Religiosity Study, Österreich 53% auf die Frage: Sind sie religiös?). Der Wert für die Religionsmitgliedschaften liegt bei rund 75%, daher ist ein rundes Viertel der Bevölkerung ohne Bekenntnis. Aber ein weiteres Viertel ist noch immer in der Kirche, vermutlich wegen sonstiger Enterbung oder beruflicher Nachteile. Man nennt es Taufscheinchristen. Die Taufraten gehen weiter zurück. In den Zahlen für die  Gläubigen sind die Kinder eingerechnet, die bei Hochrechnung auf den Status zum Teil wegfallen.

Berechnet man alle diese Effekte mit ein, dann ist abzusehen, dass alle diese Elemente in 10-20 Jahren zu einer mehrheitlich säkularisierten Gesellschaft führen werden, die in der Stadt bereits Realität ist. Ja, es gibt Zusammenlegungen von Pfarren, aber was passiert mit den Immobilien? Alles Besitz der Kirche? Oder hat Goethe Recht mit seinem bekannten Ausspruch: “Die Kirche hat einen großen Magen!“ Wo verschwinden die Güter, die unsere Vorfahren im guten Glauben, dass die Kirche ewig ist, ihr anvertraut haben. Wo ist die Stelle, die für Transparenz sorgt? Jedes Dorf kann heute vom Rechnungshof geprüft werden, der Moloch Kirche nicht. Was mit den Milliarden passiert, die die Kirche an Transferzahlungen erhält, ist nirgendwo ersichtlich oder hinterfragbar. Dafür darf aber der Dompfarrer in größter Unverblümtheit seine fashionable Dachmaisonettenwohnung der Presse vorführen.  An einem österreichischen Tebartz van Elst findet einfach niemand etwas dran. In der österreichischen Kultur ist die Kirche – anders als in Luxemburg – sakrosankt (=heiligheilig). Durch Jahrhunderte hindurch hat es die Kirche verstanden, die Politik zu bestimmen, das Geld einzustecken, aber wenn es ans Zahlen ging (Missbrauchskandal) oder ans Schrumpfen wie jetzt, dann ist die Kirche nicht von dieser Welt.

Es versteht sich von selbst, dass die gegebenen Strukturen diese Entwicklung bremsen. Noch immer gilt das Volkstümliche: „Die Kirche spricht mit der Politik: Du hältst sie arm und ich halte sie dumm!“ Aber es ist unverantwortlich und undemokratisch, diese Entwicklung zu negieren oder ihr entgegenzuarbeiten. Die gegenwärtige politische Lage tut das. Wie lange lassen sich die Österreicher noch brav als Schafe in der Herde mit dem guten Hirten behandeln?

 

https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarland/luxemburg-trennt-staat-und-kirche_aid-7099024

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