Vom Wert der Säkularität

Aslans Gastkommentar von Ednan Aslan  v. 7.7. 2016 in der „Presse“ mit dem Titel  „Wer nicht mit dem Gesetz Gottes regiert . . .“ ist eine Sternstunde abendländischer Religionsgeschichte. Er führt die Muslime direkt in die Arme aufgeklärter Gemeinschaften. Und zwar auf dem Weg auf dem sich alle Religionen der Welt weiterentwickelt haben: Durch Neuinterpretation der Offenbarung.
Schon richtig, dass Religionen damit einen Mimikry-artigen Versuch unternehmen, auf Basis der gegebenen Realitäten die geistigen Errungenschaften für sich zu vereinnahmen. Das werden ihnen Humanisten anzulasten versuchen und ihnen ein falsches Spiel unterstellen. So geschehen im Christentum, als Apologeten Geschichtsklitterung betrieben, indem sie behaupteten, die Aufklärung wäre ja auch eine Errungenschaft des Christentums gewesen. In Wahrheit wurde sie gegen den erbitterten Widerstand der Kirche und mit größten Opfern, auch Todesopfern, durchgesetzt. Ein zweites Beispiel ist die Umweltverschmutzung, die vor rund einem Jahrzehnt eine Erfindung der Kirche wurde, unter dem Titel „Bewahrung der Schöpfung“. Bis dahin haben wir uns bibelgemäß „die Erde untertan gemacht“.

Dieser Prioritätsschwindel tut weh. Aber Religionsgemeinschaften haben nicht den gesellschaftlichen Auftrag, Wahrheiten zu suchen, sondern nur theologisch vereinbarte zu verbreiten. Die Genese der Wahrheiten interessiert Gläubige nicht. Wichtig ist, dass es Leute wie Johannes XXIII., Papst Franciscus oder eben Ednan Aslan gibt, die gesellschaftliche und wissenschaftliche Realitäten anerkennen wie demokratische Ordnung, Gleichstellung der Frau und Ächtung des Antisemitismus.  Friedrich Heer betonte, dass der Antisemitismus „von Theologen von oben in die Bevölkerung einsickerte“ und nicht aus dem Bedürfnis des Volkes heraus entstand. Ebenso ist es auch die Verantwortung der Kleriker diesen Irrweg abzustellen.

Kleriker schieben die Verantwortung auf Gott, wenn es ihnen ins Konzept passt. Dann heißt es, dass heilige Schriften unabänderlich seien. Das mag sein, aber Gott tritt uns in der Schrift in vielerlei Gestalt entgegen. Es ist Sache der Theologen die zeitgemäße Substantiation herauszufiltern und eine entsprechende Exegese daraus zu formen.

Das hat Aslan versucht, meines Erachtens in bravouröser Weise. Ein solcher Islam, nämlich ein apolitischer, ohne levantinische Hypotheken, wäre in ganz Europa vonnöten und würde die Problematik der Einwanderung und der Integration von „unlösbar“ auf „menschlich lösbar“ stellen.

Anstatt jedoch diesem Mann den Weg zu ebnen, ist er seitens der Orthodoxen Anfeindungen ausgesetzt. Leider ist der alleinige Ansprechpartner der Regierung die IGGIÖ, in der sich Orthodoxe, Muslimbrüder und Türkeiabhängige tummeln, die Aslan bekämpfen, wo es nur geht.

Die traditionelle Exegese lässt an Andersgläubigen und Atheisten kein gutes Haar. Unglaube ist die schlimmste Sünde. Eine pluralistische Gesellschaft braucht genau das Gegenteil. Deswegen ist eine funktionierende Gesellschaft, in der sich Menschen frei entfalten können, von Säkularität, also der politischen Entmachtung, nicht aber von der Bekämpfung der Religion abhängig. Es zeigt sich auf der ganzen Welt, dass von allen Politikern auf der Welt, Gott der schlechteste und kriegswütigste ist. (G.W. Bush an Beginn des Irak Feldzugs: „Gott will es!“). Alle erfolgreichen Staaten der Erde haben  Gott aus der Politik herausgehalten und ihr Erfolg ist sogar davon abhängig, in welchem Maße sie das gemacht haben.

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