Die Kirche will das Semmerl und das Weckerl

Der Grazer Kirchenmann Rudolf K. Höfer will eine Kirchensteuerwidmung von 0,2% einführen. (Artikel in der „Presse vom 20.1.16)

Die vorgeschlagene „Kulturwidmung“ wie in Italien ist ein mieser Trick. Wenn ein Teil der Steuer „umgeleitet“ wird, fehlt der Betrag an anderer Stelle und muss durch höhere Steuern ersetzt werden.

Der Kirchenbeitrag ist ein NS-Gesetz, jawohl. Das würde der Kirche so passen, dass die Finanzierung automatisch durch den Staat gesichert wird. Das will jeder. Alles andere sollte so bleiben, weil es für die Kirche günstig ist, vielleicht zu günstig.

Die Kirche will hier offenbar das Semmerl und das Weckerl. Wenn man  über eine Steuer nachdenkt, sollte man auch über das Konkordat nachdenken, ein Produkt des faschistischen Ständestaates, das die Macht der katholischen Kirche in Österreich stärkte. Auch kein Ruhmesblatt. Das Konkordat ist genauso unzeitgemäß wie die beanstandete Regelung über den Kirchenbeitrag. Die Vertragsgrundlage für das Konkordat  fällt mehr und mehr weg, nämlich die große Bedeutung der katholischen Kirche für Österreich als gesellschaftsprägende Gemeinschaft. Während damals über 90% der Österreicher in der Kirche waren und im Allgemeinen auch gläubig, sind es heute weniger als 2 Drittel. Mehr als die Hälfte aller Österreicher sind ungläubig (Gallup Studie 2012). Damit gehört Österreich zu den 10 atheistischsten Ländern der Welt. Nur ein Bruchteil der Katholiken praktiziert den Glauben, sodass Kirchengebäude verkauft oder verschenkt werden und Pfarren zusammengelegt werden.

Während die Zahl der Katholiken in naturgesetzlicher Weise abnimmt, bleiben die Einnahmen der Kirche gleich. Dies ist vornehmlich auf Subventionen und auf eine Art Reparationszahlung zurückzuführen, die dem Staat jährlich mindestens 3,7 Md. € kosten. Den Überweisung an Leistungsträger stehen jedoch konkrete Leistungen gegenüber, wie Krankenhäuser und konfessionelle Kindergärten, wobei niemand wirklich die Frage beantworten kann, was die Kirche in diesem Bereich verloren hat, denn die Kosten trägt zu 100% die öffentliche Hand. Der Subventions-Betrag ist hingegen nur dann als Leistung an die Gesellschaft zu erkennen, wenn diese auch nachgefragt wird. Andernfalls ist es eher im Interesse der Religionsgemeinschaft, dass diese Leistung erbracht wird und muss auch von ihr bezahlt werden. Der  Religionsunterricht prägt die Staatsbürger im Sinne der Kirche, was man als Kinder-Missionierung ansehen kann. Der Religionsunterricht ist alles andere als integrationsfördernd, im Gegenteil.

Alle Regelungen sind überholt, unangepasst und unzeitgemäß. Vom Religionsunterricht meldet sich ein großer Prozentsatz ab. Die Bedeutung der Religion noch zu fördern, angesichts des Islams, der Probleme in der Gesellschaft hervorruft, weil er die Trennung von Religion und Staat nicht kennt, liegt sicher nicht im Interesse des Staates. Alles spricht für einen Religions- und Ethikunterricht, der Religionen erklärt und nicht als gegebene Wahrheit und zu glaubende Offenbarung  indoktriniert. Dazu muss man den Religionsunterricht in der heutigen Form abschaffen und Ethik-Lehrer heranbilden.

All das gehört in einem Gesamtzusammenhang diskutiert und ein Paket geschnürt, das die schwindende Bedeutung der Kirche und die erwünschte Säkularität in unserer Gesellschaft berücksichtigt. Das würde nebenbei bedeutende Mittel für echte Bildung und säkulare Kinderbetreuung freisetzen, die jetzt durch Indoktrinierung verloren gehen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s