Zum Artikel des Online ORF über die Atheistische RG http://religion.orf.at/stories/2739168/

Sehr geehrte Fr. Redakteurin  Akinyosoye (religion.ORF.at),

Die Atheistische Religionsgemeinschaft (AR) ist eine seltsame Blüte eines veralteten  Gesetzes, das Privilegien schafft. Um in den Genuss dieser zu gelangen, machen manche alles: 5 Religionsgemeinschaften schließen sich zu einer zusammen, die nichts  miteinander zu tun haben. Atheisten verleugnen sich selbst und ihren Atheismus, anstatt ein gerechtes Gesetz zu fordern, das die Privilegien  entweder allen gewährt oder abschafft. Würde man sich darauf einlassen, schaffte man  immer neue Ungerechtigkeiten. Eine Anerkennung dieser Atheistischen Religionsgemeinschaft würde bedeuten, dass wie bei Religionen gesetzlich vorgesehen, diese Gemeinschaft als Vertreter aller Atheisten fungiert. Es liegt in der Natur der Sache, dass das unmöglich ist, denn man kann nicht die Absenz einer Sache als Gemeinsamkeit definieren, wie etwa die Gemeinschaft aller „Nicht-Radfahrer“ oder aller „Nicht-Schnecken-Esser“. Das ist blanker Unsinn.

So gesehen kann eine Atheistische Religionsgemeinschaft nur ein Wunschgebilde sein, dem jegliche Legitimität seitens des Atheismus fehlt. Es besteht nur aus dem in Österreich grassierenden, verständlichen Wunsch an Fördertöpfe zu kommen. Sollte einmal die Vernunft siegen und diese Fördertöpfe würden gerechterweise abgeschafft werden, würde das Konzept der „AR“ sofort in sich zusammenbrechen.

An dieser Stelle ist wieder einmal die Forderung zu erheben, dass alle Töpfe die nicht nachprüfbare Leistungen (wie Nachlassen der Sünden und Erlösungsaussichten)  honorieren, sofort zu streichen sind. Das würde Milliarden einsparen. Nachprüfbare Leistungen (Spitäler) sind weiter zu honorieren. Modelle gibt es genug: der Finanzminister braucht sich nur die erprobte Handlungsweise der Krankenkasse zu Eigen machen. Sie bezahlt nichts, was nicht eine nachprüfbare Leistung erbringt. Allein die Streichung des Absetzbetrages für den Kirchenbeitrag würde über 100 Mio. € bringen.

Im Übrigen folgt die Argumentation  der AR einer Linie, die Religiöse oft gegen Atheisten anwenden, indem sie behaupten, Atheismus sei  ja „auch nur eine Religion“. Die AR  gesteht  damit ein, dass es tatsächlich so ist. Dem ist entschieden entgegenzutreten. Der aufgeklärte Atheismus wertet nichts ab, im Gegenteil, er ist der Erfinder der Religionsfreiheit, die gegen den erbitterten Widerstand der damals herrschenden Religionen durchgesetzt wurde. Die  monotheistischen Religionen stellen hingegen einen fundamentalen  Absolutheitsanspruch, der Anders-, vor allem aber Nicht-Gläubige abwertet („verdammt“).

Das würden aber aufgeklärte Atheisten nie tun. Die Gleichberechtigung von Weltanschauungen jeder Art ist der eigentliche humanistische Fortschritt. Absolutheitsansprüche reduzieren sich im Humanismus auf evidente Forderungen wie die der Anerkennung der Menschenrechte und der sittlichen Reziprozität („Die goldene Regel“). Sie verweisen jede irrationale, willkürliche, auf Offenbarung und nicht auf überprüfbare und widerspruchsfreie Erkenntnis beruhende  Big-Bang-Glaubenslehre  eines  willkürlichen Guru oder Erlösers in den Privat-Bereich. Sonst nichts.